Dienstag, 17. September 2019

Bestechung "Moralisch verwerflich, wenig Erfolg versprechend"

Korruption: Das Risiko für international tätige Unternehmen ist kräftig gestiegen

Bestechungen und undurchsichtige Geschäfte mancher Konzerne haben den Gesetzgeber auf den Plan gerufen. Künftig soll es sauber zugehen. Markus Brinkmann, Fachbereichsleiter der Prüfungsgesellschaft BDO, sagt im Gespräch, wie sich das Geschäft in Hochrisikoländern ändert.

mm: Herr Brinkmann, Sie sind weltweit in Sachen Compliance unterwegs, waren als Berater in den vergangenen fünf Jahren in 48 Ländern unterwegs. Ist es in Hochrisikoländern wie China, dem Irak oder Gabun überhaupt noch möglich, saubere Geschäfte zu tätigen?

Brinkmann: Zunächst mal zur Ehrenrettung dieser Staaten: Die Verhältnisse dort sind sicher nicht schlechter geworden. Im Zweifel hat sich die lokale Antikorruptionsgesetzgebung zum Beispiel in China oder in Russland eher verbessert.

mm: Die gesetzlichen Anforderungen in Sachen saubere Auslandsgeschäfte sind aber auch massiv gestiegen, hier in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern.

Brinkmann: Richtig, und gleichzeitig haben sich die geschäftliche Dynamik und das globale Geschäftsvolumen erhöht. Damit ist auch das Risiko für international tätige Unternehmen massiv gestiegen. China hatte vor 30 Jahren wirtschaftlich längst nicht die Bedeutung wie heute, weder als Produktionsstandort noch als Absatzmarkt für eine kaufkräftige Klientel.

mm: Damit wären wir wieder beim Ausgangspunkt: Ist es möglich, in solchen Ländern Geschäfte zu machen, ohne dabei trotz aller Sauberkeitsrichtlinien und -appelle an der ein oder anderen Stelle doch Schmiergeld zu zahlen?

Brinkmann: Ja, meiner Erfahrung nach kann man auch in diesen Ländern saubere Geschäfte machen. Man muss sich zunächst sehr intensiv vorbereiten, sich mit den Kulturen und mit den Ansprechpartnern beschäftigen. Tendenziell ist zum Beispiel das Risiko im öffentlichen Bereich höher als in der Privatwirtschaft. Die Unternehmen, die ohne gute Vorbereitung in einen solchen Markt gehen, schlittern meistens ungewollt in massive Risiken.

mm: Das bedeutet aber auch erhöhten Aufwand und zusätzliche Kosten.

Brinkmann: Die Investitionen rechnen sich. Wenn ich mich in China langfristig engagieren möchte, muss ich mich doch eh sehr gut vorbereiten - nicht nur aus Compliance-Gründen, sondern auch, um meine geschäftlichen Chancen zu steigern.

mm: Und das haben mittlerweile alle begriffen?

Brinkmann: Begriffen vielleicht, aber noch längst nicht umgesetzt. Der Mittelstand hat da sicherlich tendenziell eher Probleme. Vielen Firmen fehlt das Geld, um sich auf die mit der immer schneller voran schreitenden Globalisierung verbundenen Risiken ausreichend vorzubereiten. Die gehen dann häufig eher pragmatisch vor - und nehmen damit natürlich auch ein erhöhtes Risiko in Kauf.

mm: Mal rein ökonomisch betrachtet: Vielleicht lohnt sich das ja. Vielleicht ist die Chance auf hohe Gewinne größer als das Risiko teurer Strafen.

Brinkmann: Sicher gehen auch heute noch viele Unternehmer und Manager das Thema so an, auch wenn inzwischen jeder begriffen haben sollte, dass Korruption nicht zulässig ist. Aber diese Herangehensweise ist nicht nur moralisch verwerflich, sie ist auch wenig Erfolg versprechend. Die Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden, liegt im Durchschnitt sicherlich höher als 50 Prozent.

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