Sonntag, 15. September 2019

Interview mit Horst Neumann "Erholungszeiten respektieren"

Horst Neumann, Personalvorstand bei Volkswagen: "Wir setzen auf ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement"

Horst Neumann, Personalvorstand bei Volkswagen, über Maßnahmen gegen Burn-out am Arbeitsplatz.

mm: In den Konzernen grassiert der Burn-out-Virus. Wie ist Volkswagen betroffen?

Neumann: In Vergleichsstatistiken stehen wir überdurchschnittlich gut da. Zwar ist auch bei uns die Zahl der Fälle über die Jahre leicht gestiegen. Da wir gleichzeitig stark gewachsen sind, können wir dennoch von einem Erfolg sprechen.

mm: Welche Ursachen sehen Sie für den Anstieg? Ist beispielsweise das Erkrankungsrisiko für bestimmte Mitarbeitergruppen höher?

Neumann: Erschöpfung kann grundsätzlich jeden treffen. Niemand ist von Wettbewerbsdruck und hohem Arbeitstempo verschont. Doch nach Erkenntnissen von Medizinern sind außer der Arbeit auch die Persönlichkeit und gesellschaftliche Entwicklungen wichtige Faktoren. Dazu gehören etwa die Schnelllebigkeit unserer Zeit oder neue Informationstechnologien. Nicht zuletzt spielt sicher die zunehmende Sensibilisierung der Öffentlichkeit für dieses Thema eine Rolle.

mm: Was tut VW gegen die Gefahr psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz?

Neumann: Wir setzen auf ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement, das weit vor der klassischen Vorsorge beginnt. So bieten wir unseren Mitarbeitern vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten, fördern ihre Kompetenzen und fragen jährlich nach ihrer ehrlichen Meinung und eventuellen Problemen, die wir dann abstellen. Zusätzlich bieten wir allen Beschäftigten mit unserem freiwilligen Gesundheits-Check-up eine einstündige kostenlose Untersuchung zur Früherkennung gesundheitlicher Risiken an. Gerade der Check-up wird sehr gut angenommen: Bislang haben sich bei Volkswagen Börsen-Chart zeigen mehr als 30.000 und bei Audi 44.000 Mitarbeiter untersuchen lassen. Das alles ist ein Versprechen an jeden Einzelnen: Wir helfen ihm, gesund und fit zu bleiben.

mm: Die Volkswagen-Regeln zur Blackberry-Nutzung sorgten für Schlagzeilen. Welche Erfahrungen haben Sie mit der Einschränkung auf die Kernarbeitszeit für Tarifangestellte gemacht?

Neumann: Die Regelung wurde von Vorgesetzten wie Mitarbeitern als klares Zeichen verstanden, Erholungszeiten zu respektieren und den Feierabend nur im Notfall zu durchbrechen.

Zum Haupttext: Stilles Drama

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