Dienstag, 12. November 2019

Frauenquote "Frauen schaffen Mehrwert"

Arbeitsgruppen: "Zahlreiche Studien belegen die größere Effizienz gemischter Teams"

Monika Schulz-Strelow, Präsidentin der Organisation "Frauen in die Aufsichtsräte", erklärt, wann Förderprogramme erfolgreich sind und warum es ohne Quote nicht geht.

mm: Frau Schulz-Strelow, 2011 beriefen 25 Firmen aus Dax, M-dax, S-Dax und Tec-Dax erstmals eine Frau in den Vorstand oder auf der Kapitalseite in den Aufsichtsrat. Plötzlich wollen alle Unternehmen mehr Ladies. Erleben wir endlich die Trendwende in der Sache der Frauen?

Schulz-Strelow: Es stimmt, im vergangenen Jahr hat sich Einiges bewegt, und auch im laufenden Jahr wird es weiter Schub in dem Thema geben. Es ist allerdings bitter, dass die meisten Unternehmen erst auf den Druck von Politik und Öffentlichkeit reagierten und nicht aus eigenem Antrieb frauenfreundlicher handeln. Und die Fortschritte reichen auch längst nicht aus.

mm: Sie plädieren nach wie vor für eine Quote?

Schulz-Strelow: Eins ist doch ganz klar: Ohne die Debatte um eine Quote hätte es die aktuelle Entwicklung nie gegeben. Und jetzt muss aus einer Debatte Normalität werden. Eine oder zwei Frauen in den Spitzengremien sind eine schöne Sache - aber nur, wenn sie auch als Vorbild für viele weitere Frauen in den Ebenen darunter dienen. Nicht wenige Firmen aber lehnen sich jetzt schon zurück, nach dem Motto: "Was wollt Ihr denn, wir haben doch eine Frau im Vorstand?". Nur der Druck einer Quote kann diesem Feigenblatteffekt entgegenwirken.

mm: Sie selbst haben sich immer dafür eingesetzt, Frauen zuerst in Spitzenpositionen zu bringen.

Schulz-Strelow: Diese Strategie halte ich auch nach wie vor für sinnvoll. Sie war aber immer als erster Schritt gedacht. Leider haben viele Firmen noch immer nicht erkannt, dass mehr Frauen in Führungspositionen nicht nur gut fürs Image sind, sondern auch tatsächlich Mehrwert schaffen. Zahlreiche Studien belegen die größere Effizienz gemischter Teams. Auch als Konsumenten werden Frauen immer wichtiger - da wäre es sicher klug, auf Entwicklerseite zu wissen, was die Kundinnen wirklich wollen.

mm: Immerhin bemühen sich viele Unternehmen. Mentoring, Netzwerke, Trainings - flächendeckend wurden Frauenförderprogramme auf den Weg gebracht.

Schulz-Strelow: Das freut mich auch sehr. Allerdings bringen solche Programme nur etwas, wenn ihr Erfolg auch definiert und gemessen wird. Einfach nur drauflosfördern ist nicht genug.

mm: Sondern?

Schulz-Strelow: Ein Frauenförderprogramm ist dann erfolgreich, wenn am Ende nicht nur Förderung steht, sondern auch eine Be-Förderung. Schließlich befördern sich Männer auch gegenseitig.

mm: Ist dieser Fokus auf die nächsten Stufen der Karriereleiter nicht sehr eng?

Schulz-Strelow: Überhaupt nicht. Was in der Führungsspitze passiert, prägt das Unternehmen. Wichtig ist, dass es mess- und sichtbar Fortschritte gibt. Aber natürlich wird die Wirtschaft mittelfristig andere Themen angehen müssen, wenn die Unternehmen attraktiver für Frauen sein wollen: flexible Arbeitszeiten, Abschied von der Präsenzkultur, Jobsharing auch in Führungspositionen. Ich setze meine Hoffnung da auf die jungen männlichen Führungskräfte, die schon ein ganz anderes Verständnis von Arbeitsorganisation haben als die Älteren.

mm: Und dann wird alles besser?

Schulz-Strelow: Nicht alles, aber vieles. Es ist doch absehbar, dass Unternehmen, um Krisen besser bewältigen zu können, künftig flexibler werden müssen, kommunikativer und innovativer. Die "Generation Y", die seit einigen Jahren in den Firmen einsteigt, treibt diese Entwicklung bereits. Letzten Endes ist das Frauenthema die aktuelle Speerspitze in diesem Veränderungsprozess, der gerade erst begonnen hat.

Frauen und Karriere: "Männliche Role Models müssen her"

Wer Frauen fördert: Die Steckbriefe der Dax-Konzerne

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung