Samstag, 23. November 2019

Unternehmensgründer Deutschland fällt weiter zurück

G20-Vergleich: Deutschland - kein Gründerland
Corbis

Die Konjunktur brummt, doch mit Unternehmensgründungen ist es nicht weit her: Im Vergleich zu den übrigen G20-Staaten, den Hauptkonkurrenten im Kampf um Köpfe und Ideen, liegt Deutschland abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Von "Gründerland" kann laut Ernst & Young keine Rede sein.

Hamburg - Als die übernächtigten Wahlsieger Angela Merkel, Guido Westerwelle und Horst Seehofer vor gut zwei Jahren stolz ihren Koalitionsvertrag vorstellten ("Seit 2.15 Uhr sagen wir Horst und Guido zueinander"), da riefen sie Deutschland übrigens auch, en passent, zum "Gründerland" aus. Das schwarz-gelb-blau-weiße Traumterzett gelobte, für "ein Leitbild der unternehmerischen Selbstständigkeit" zu werben und Gründungen "intensiv zu befördern".

Herausgekommen ist dabei nach 27 Monaten Regiererei - so gut wie nichts. Im Vergleich zu den übrigen G-20-Staaten, den Hauptkonkurrenten im weltweiten Kampf um Köpfe und Ideen, liegt Deutschland weiterhin abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Das zeigt eine neue Studie der Berater von Ernst & Young, die manager magazin exklusiv vorliegt.

Nur einer von fünf Jungunternehmern hierzulande findet, dass Gründergeist in Deutschland angemessen gefördert wird. Nur in Mexiko, Italien, Japan, Russland und Frankreich sind es noch weniger. Kein Wunder, dass selbst im krisengeplagten Großbritannien neunmal mehr Unternehmen gegründet werden als in Deutschland.

Deutsche Gründer müssen neunmal aufs Amt

Beklagt wird nach wie vor der hohe Verwaltungsaufwand. Neunmal muss der deutsche Gründer aufs Amt, der G-20-Durchschnitt liegt bei 5,7. Auch die steuerlichen Belastungen für Start-ups (Platz 13 von 20), besonders bei Forschung und Entwicklung, seien hierzulande zu hoch.

Nach Berechnungen von Ernst & Young kassiert der Fiskus pro investierten Dollar noch zwei Cent Steuern obendrauf, während die G-20-Staaten jeden Dollar für Forschung und Entwicklung im Schnitt mit 15 Cent bezuschussen.

Und schließlich ist da die mangelnde Toleranz der Deutschen gegenüber dem unternehmerischen Scheitern. In keinem Land ist die Zahl derjenigen Unternehmer höher, die eine Pleite als Menetekel empfinden. In den anderen großen Volkswirtschaften sieht dagegen fast die Hälfte der Befragten eine Pleite als Chance dazuzulernen, um es bei der nächsten Gründung besser zu machen.

"Nur wer Vertrauen in die Rahmenbedingungen hat, macht auch den Schritt in die Selbstständigkeit", sagte Peter Englisch (47), Partner bei Ernst & Young. "Hier hat Deutschland noch einen großen Nachholbedarf."

Übersicht: Hohe Hürden für deutsche Gründer

Reformfaul: Deutschland wartet selbstzufrieden auf die nächste Krise

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung