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Dax-Aufsichtsräte: In welchen Firmen Frauen etwas zu sagen haben

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MDax, SDax, TecDax Wo Frauen (fast) nichts zu sagen haben

Bei den 30 Dax-Konzernen steigt die Zahl weiblicher Aufsichtsräte. Bei kleineren Firmen aus MDax, SDax und TecDax sind Frauen aber noch eine Randerscheinung, wie eine Auswertung für manager magazin ergeben hat. Viele Unternehmen schieben Veränderungen weiter auf.

Hamburg - Die Deutsche Telekom ist eine Ausnahme: Der Dax-Konzern hat zwei Frauen in den Vorstand berufen, eine dritte soll in Kürze folgen. Außer bei der Telekom sind im Dax 30 weibliche Führungskräfte noch bei Siemens (zwei), Eon, SAP, Daimler und BASF (je eine) im Vorstand vertreten.

Dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Frauenanteil in den Topgremien deutscher Konzerne - also im Vorstand und im Aufsichtsrat - noch immer sehr gering ist. In den Aufsichtsräten der Unternehmen sind Frauen immerhin etwas häufiger anzutreffen - doch auch hier ist der Anteil gering, und zudem fällt der Anteil weiblicher Führungskräfte in MDax, TecDax und SDax gegenüber dem Dax 30 deutlich ab.

Dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS  zum Beispiel ist der Mangel voll bewusst. "Eine Frau in unserem Aufsichtsrat wäre absolut wünschenswert", sagt ein Firmensprecher gegenüber manager magazin. Das sehe auch Chefkontrolleur Bodo Uebber so. Eine "weibliche, sachorientierte Sicht der Dinge" erhielte dann stärker Einzug ins gesamte Unternehmen.

"Es gibt in unserer Branche allerdings nicht viele Frauen, die die nötigen Kriterien erfüllen", so der Sprecher. Eine Kandidatin müsse sich in der Luftfahrt auskennen, einen Hauptaktionär vertreten und international erfahren sein.

Und so muss das EADS-Kontrollgremium vorerst weiter ohne die weibliche Sicht der Dinge auskommen. Damit reiht es sich in die Mehrheit der in MDax , SDax  und TecDax  notierten Firmen ein. Knapp 54 Prozent dieser 130 Firmen haben keine Frau im Aufsichtsrat, wie eine Auswertung der Managementberatung Kienbaum für manager magazin ergeben hat. Besonders hoch ist der Anteil im TecDax, wo zwei von drei Firmen nur Männer im Kontrollgremium sitzen haben. Im Dax haben nur 13 Prozent der Firmen keine Frau im Aufsichtsrat.

"Der Nutzen wird noch nicht überall gesehen", sagt Kienbaum-Geschäftsführer Walter Jochmann. "Das Thema ist im Bewusstsein mancher Aufsichtsgremien einfach noch nicht als vordringlich angekommen." Immerhin, eine Verweigerungshaltung sei nicht festzustellen, und manche Firmen hätten sich schon ambitionierte Ziele gesetzt.

Dabei lohne es, sich die von der Politik angemahnten Ziele zur Frauenförderung selbst zu setzen. "Zahlreiche Studien zeigen, dass Unternehmen mit diversifizierzten Führungsgremien flexibler agieren und neuen Geschäftsmodellen offener gegenüberstehen", sagt Jochmann. "Aufgrund der demografischen Entwicklung lassen sich spätestens in 20 Jahren ohnehin nicht mehr so viele Führungsgremien mit Männern besetzen."

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder will noch in diesem Jahr ein Gesetz zur Frauenförderung in Unternehmen vorlegen. Es verpflichtet die 1000 börsennotierten Unternehmen und voll mitbestimmten Kapitalgesellschaften, sich bis 2013 verbindliche Quoten zu setzen, sofern sich der durchschnittliche Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten bis dahin nicht verdreifacht.

Frauenanteil: 72 Prozent der Firmen formulieren noch keine Ziele

Die selbst gesteckten Ziele sind dann innerhalb von drei Jahren (für Vorstände) und fünf Jahren (für Aufsichtsräte) zu erfüllen. Andernfalls drohen gesetzliche Sanktionen.

Der Kienbaum-Auswertung zufolge haben allerdings 72 Prozent der kleineren Dax-Firmen noch keine Ziele für den Ausbau des Frauenanteils im Aufsichtsrat formuliert. Das Thema wird offenbar aufgeschoben, hat Jochmann beobachtet. "Oft hören wir: 'Im nächsten Jahr fangen wir an.' Der Druck ist noch nicht eminent."

Vorreiter unter allen 160 Dax-Unternehmen sind die Firmen Douglas  (MDax) und Biotest  (SDax) mit einem Frauenanteil von jeweils 50 Prozent. Jörn Kreke, Aufsichtsratsvorsitzender der Douglas Holding, bezeichnet den im gesamten Unternehmen und auf allen Hierarchiestufen hohen Frauenanteil als "branchenbedingt". In erster Linie sei eine ausgewogene Mischung an unterschiedlichen Fachkompetenzen wichtig. "Darüber hinaus können qualifizierte Damen im Aufsichtsrat unsere Filialen, Sortimente und Geschäftsprozesse besonders kompetent aus Kunden- und Mitarbeitersicht beurteilen", sagt Kreke. Dies helfe, Fehler zu vermeiden und die Treffsicherheit von Zukunftsentscheidungen zu erhöhen.

"Das Potenzial muss nur geweckt werden"

Parfum- und Buchhändler Douglas rekrutiert fünf seiner sechs Kontrolleurinnen allerdings von der Arbeitnehmerbank - ein in allen Unternehmen weit verbreitetes Phänomen. Die Anteilseigner entlastet der traditionell hohe Anteil von Aufsichtsrätinnen aus Beleg- oder Gewerkschaft tendenziell. Theoretisch ist es denkbar, dass Firmen die Verantwortung zur Quotenerfüllung auf die Arbeitnehmer abwälzen - zumal viele das Angebot an qualifizierten Vertreterinnen als gering einschätzen.

Der Verein Fidar "Frauen in die Aufsichtsräte" weist in seinem " Women-on-Board-Index" daher den Anteil von Frauen in den Kontrollgremien auch ohne Vertreterinnen der Arbeitnehmerseite aus. Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow verweist darauf, dass von 160 Dax-Unternehmen 89 Unternehmen noch immer Führungspositionen für Frauen völlig verschließen - also keine Frauen in Vorstand oder Aufsichtsrat anzutreffen sind. " Die Nullen müssen weg", sagt Schulz-Strelow gegenüber manager magazin.

"Das Potenzial ist da, es muss nur geweckt werden", sagt Kienbaum-Geschäftsführer Jochmann. Die Firmen müssen seiner Ansicht nach traditionelle Wege der Kandidatenrekrutierung ergänzen. "Bei kleineren Unternehmen sitzen oft die Vorstände anderer Firmen im Aufsichtsrat - auch deshalb ist der Männeranteil hoch. Geeignete Kandidatinnen finden sich oft in wissenschaftlichen Ämtern, bei Verbänden und in Anwaltskanzleien."

Das persönliche Engagement des Aufsichtsratsvorsitzenden sei vielfach entscheidend. "Es geht noch zu oft darum, wer prominent ist, wen der Aufsichtsratschef bei der nächsten Hauptversammlung den Aktionären gern auf dem Silbertablett präsentieren würde."

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