Donnerstag, 19. September 2019

Frauenförderung Dax-Konzerne setzen auf freiwillige Quoten

Managerinnen: Frauen in deutschen Unternehmen
JIM RAKETE

Mit einer individuellen Quote wollen die 30 im Dax notierten Unternehmen mehr Frauen in Führungspositionen hieven. Im Gegenzug verzichtet die Bundesregierung auf einheitliche Vorgaben - zumindest zunächst.

Berlin - Die 30 größten deutschen Aktienunternehmen haben sich freiwillig zu einer Förderung von Frauen in Führungspositionen verpflichtet. Sie wollen dazu unternehmensspezifische Zielvorgaben festlegen und noch dieses Jahr veröffentlichen, teilte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) am Mittwoch nach einem Gespräch mit Vorständen der großen Aktiengesellschaften in Berlin mit.

"Wir werden nicht eine Quote haben, sondern wir werden in diesem Jahr 30 Zielvorgaben der 30 Dax-Unternehmen erfahren", sagte Schröder. Sie sei sehr froh über dieses Ergebnis. Die Bundesregierung gebe der Wirtschaft damit noch befristet Zeit für "substanzielle Verbesserungen". Falls dies nicht gelinge, komme die von ihr vorgeschlagene "gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung".

Laut Familienministerin wurde mit dem Treffen "ein wichtiger Prozess angestoßen". Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sprach von einem guten Anfang, der aber noch nicht ausreiche.

Telekom-Arbeitsdirektor Sattelberger lobt Druck der Politik

Schröder ihrerseits präsentierte den Unternehmen ihren Stufenplan für das angestrebte Ziel. Der Plan wurde allerdings von den Unternehmen nicht durchweg akzeptiert und ist auch in der Bundesregierung noch nicht konsensfähig.

Der Stufenplan sieht unter anderem flexible Quoten für die einzelnen Unternehmen vor und nennt als Zielmarke für eine Verdreifachung der Frauenquote in den Führungsgremien das Jahr 2013. Schröder zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis des Gesprächs, auch wenn BMW-Personalvorstand Harald Krüger betonte, die Wirtschaftsvertreter hätten den Stufenplan "nicht in allen Stufen bestätigt".

Telekom-Arbeitsdirektor Thomas Sattelberger sprach von einem "guten Tag für die Dax-Unternehmen und erklärte: "Der Druck der Politik hat geholfen."

Sattelberger hatte vor einiger Zeit für seinen Konzern eine Selbstverpflichtung ausgesprochen, 30 Prozent Frauenquote zu erreichen. Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer machte für die Defizite bei der Frauenquote auch gesellschaftspolitische Mängel verantwortlich. "Wir müssten eigentlich im Gegenzug fordern: Bekommen wir die notwendigen Frauen ausgeliefert in den technischen berufen?", sagte sie.

Opposition enttäuscht

Die Opposition im Bundestag zeigte sich enttäuscht von dem Gipfel. SPD-Vizefraktionschefin Dagmar Ziegler nannte Schröders Flexiquote halbherzig und eine "butterweiche Regelung". Sie lasse "mehr Fragen offen, als sie beantwortet", sagte Ziegler.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte unter Hinweis auf eine bereits 2001 vereinbarte Selbstverpflichtung: "Es ist zum zweiten Mal nichts rausgekommen. Eine Selbstverpflichtung reicht uns nicht aus, und es reicht uns auch nicht aus, dass verschiedene Ministerinnen in verschiedene Richtungen gehen."

Die Bundesgeschäftsführerin der Linken, Caren Lay, nannte das Verhandlungsergebnis "enttäuschend. Wieder einmal wird Gleichstellung auf die lange Bank geschoben."

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock begrüßte zwar, "dass hier endlich Bewegung in die Sache kommt", nannte aber den Stufenplan "viel zu zögerlich". Es sei höchste Zeit für eine gesetzliche Frauenquote anstatt "transparenter freiwilliger Selbstverpflichtungen".

nis/dpa/dapd

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