Berufe mit Finanzpotenzial Wer wird Millionär?

Wer Ferrari fahren wird und wer Fahrrad, entscheidet sich oft bereits bei der Berufswahl. Nach Expertenmeinung bieten Jobs bei den Geldhäusern hierzulande die besten Chancen auf eine überdurchschnittliche Bezahlung - nach einer klassischen Wirtschaftsausbildung.
Von Nicole Basel
Jonglage mit dem Traumgehalt: In der Finanzbranche, Luftfahrt und Chemie lassen sich überdurchschnittlich gute Einkommen erzielen

Jonglage mit dem Traumgehalt: In der Finanzbranche, Luftfahrt und Chemie lassen sich überdurchschnittlich gute Einkommen erzielen

Foto: Corbis

Hamburg - Beim fünfjährigen Klassentreffen ist die Welt meist noch in Ordnung. Der Schock kommt beim zehnten Jahrestag: Wie kann es nur sein, dass der pummelige Mirco, der im Unterricht selten durch außergewöhnliche Cleverness auffiel, mit knapp 30 ein Auto fährt, das genauso dick ist wie er? Und warum hangelt sich die smarte Carolin von einer schlecht bezahlten, befristeten Stelle zur nächsten?

Die Antwort ist einfach: Mirco hatte nach dem Abi weder den Wunsch, irgendwas mit Medien zu machen, noch wollte er - wie Carolin - die Welt retten. Mirco wollte Geld verdienen. Und da entscheidet eben nicht nur die Begabung, sondern vor allem die Wahl von Beruf und Branche. Mirco tat daher aus monetärer Sicht das einzig Richtige: Er ging zur Bank.

"Die höchsten fünf Einstiegsgehälter werden allesamt in Bankberufen erzielt", sagt Frank Behrmann von der Vergütungsberatung Personalmarkt. "Wer ganz schnell ans Spitzengehalt will, sollte sich laut dem Gehaltsexperten auf Unternehmensfusionen und -übernahmen spezialisieren. Im Durchschnitt werden sogar Einsteiger im Bereich Mergers & Acquisitions mit einem Jahresgehalt von 65.000 Euro entlohnt - das ist deutschlandweit spitze.

Um solche stattlichen Summen zu verdienen, braucht man jedoch auch stattliche Qualifikationen: "Die Leute, die im Bereich Mergers & Acquisitions einsteigen, haben in der Regel einen sehr guten MBA-Abschluss oder eine Promotion und Auslandserfahrung", sagt Behrmann.

Nach den fünf Bankberufen - neben Mergers & Acquisitions sind das Wertpapierhandel, Fondsmanagement, Anlageberatung und der Kreditbereich - erzielen Rechtsanwälte die besten Einstiegsgehälter. 48.000 Euro verdienen Juristen laut dem Vergütungsberater nach der Uni im Schnitt. Gehen auch sie zur Bank oder in die Industrie, ist noch mehr drin: "Dort sind in der Regel auch die Arbeitszeiten besser als in Kanzleien", sagt Frank Behrmann.

Neben der Finanzbranche lassen sich vor allem in der Luftfahrt und der Chemie gute Einkommen erzielen. Insbesondere die Pharmaindustrie, vermutet Behrmann, wird in der Zukunft ein solventer Arbeitgeber sein. "Durch die Globalisierung bekommen Epidemien ein anderes Bedrohungspotenzial, das sieht man am Beispiel Schweinegrippe. Gekoppelt mit etwas Panikmache wird es vermutlich eine steigende Nachfrage geben, was Impfungen und Vorsorge angeht."

Energiesektor, Forschung, Bankenbrache

Auch der Energiesektor und der Bereich Elektroautos in der Autoindustrie könnten Wachstumsbranchen sein. Generell gilt, dass große Unternehmen besser zahlen als kleine. Laut der Jobbörse Absolventa liegt das Einstiegsgehalt von Akademikern bei Firmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern bei durchschnittlich 42.100 Euro. Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern zahlen fast 6000 Euro im Jahr weniger.

Derzeit haben auch Ingenieure wieder gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Spitzengehälter gibt es allerdings weniger in den klassischen Ingenieurberufen, wie in der Baubranche oder im Maschinenbau, sondern in der Forschung und Entwicklung. Einstiegsgehälter liegen hier laut Personalmarkt im Durchschnitt zwischen 46.000 und 47.000 Euro.

Alle top bezahlten Jobs gehören zu den klassischen Männerdomänen, typische Frauenberufe, die gut bezahlt werden, gibt es schlechtweg nicht. "Es gibt lediglich Bereiche, in denen die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern gering sind", so Behrmann. "Etwa in der SAP-Beratung oder der Personalentwicklung." Für Frauen kann es sich auch lohnen, gezielt ein Unternehmen zu wählen, wo die Strukturen vergleichsweise durchlässig für sie sind, etwa bei der Deutschen Telekom.

Für junge Leute, die nicht studieren, aber trotzdem gut verdienen wollen, empfiehlt sich genau wie für Akademiker die Bank. Keine andere Branche bietet derartig gute interne Weiterbildungsmöglichkeiten.

Meist lohnt sich allerdings ein Studium: Laut OECD verdienten 2008 Akademiker 67 Prozent mehr als Arbeitnehmer, die nur über eine Ausbildung verfügen. Lediglich in einem Bereich, so Frank Behrmann, ist das Gehalt von der Art der Ausbildung weitgehend abgekoppelt: im Vertrieb. "Verkaufen kann man eben nicht in einem Studium lernen", sagt Behrmann. "Ob jemand ein Studium hat oder nicht, spielt beim Einkommen nach ein paar Jahren definitiv keine Rolle mehr."

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