Donnerstag, 14. November 2019

Frauenquote "Zum Heulen gehe ich aufs Klo"

Karriere statt Zickenkrieg: Bleiben Sie locker, und arbeiten Sie an Ihrem Pokerface

3. Teil: "Halten Sie den Moment des Schweigens aus"

mm: Wie sieht das aus?

Schneider: Stellen Sie sich vor einen Spiegel und sprechen Sie laut die Summe aus, mit der Sie in die Verhandlung einsteigen wollen. Ohne zu lächeln, den Kopf schief zu legen oder sich an den Haaren zu zupfen. Halten Sie Blickkontakt und senken Sie die Stimme. Und vor allem: Halten Sie den Moment des Schweigens aus, der eventuell entsteht, nachdem Sie die geforderte Summe ausgesprochen haben. Das fällt vor allem Frauen schwer.

mm: Müssen Frauen lernen, zu schweigen?

Schneider: In solchen Momenten ja. Ich würde das strategisches Schweigen nennen. Wenn Sie Ihr Wunschgehalt genannt haben, ist Ihr Gegenüber dran. Haken Sie nicht nach.

mm: Sie waren unter anderem Leiterin Strategisches Kundenmanagement bei Otto und Marketing Director bei Arthur Andersen. Vor sieben Jahren haben Sie einen komplett anderen Weg eingeschlagen und sich als Beraterin und Coach selbstständig gemacht. Was hielt sie davon ab, die Karriereleiter bis nach ganz oben hinaufzuklettern?

Schneider: Da kamen mehrere Dinge zusammen. Ich hatte Lust, was Eigenes auf die Beine zu stellen und ein Buch zu schreiben. Außerdem fehlte mir in meinem Job die langfristige Perspektive: Marketingleiter über 50 sind selten - das gilt für Männer als auch für Frauen. Es war eine tolle und aufregende Zeit, aber irgendwann habe ich einfach gespürt: Ich will das nicht mehr.

mm: Wie kamen Sie als Managerin mit männlichen Machtspielen zurecht?

Schneider: Als ich Ende der 80er Jahre meine berufliche Laufbahn begann, gab es so manches Fettnäpfchen, in das ich getreten bin. Ich kann mich an einen Fall erinnern, als mir ein Vorgesetzter in einem Meeting einen Kaffee angeboten hat. Als ich dankend ablehnte, blaffte er mich an: "Champagner haben wir hier aber nicht!" Damals war ich total irritiert und brauchte einige Zeit, um mich wieder zu fangen.

mm: Wie würden Sie heute reagieren?

Schneider: Ich würde locker bleiben und sagen: "Macht nichts, ich wollte auch nur das Konzept mit Ihnen durchsprechen." Das hat aber auch etwas mit Alter und Erfahrung zu tun. Gerade junge Frauen neigen dazu, sich in solchen Fällen in ihr Schneckenhaus zurückzuziehen oder auch zu weinen.

mm: Sind Ihnen im Beruf mal die Tränen gekommen?

Schneider: Zum Heulen war mir schon mal, aber dafür gehe ich aufs Klo. Das würde ich auch jedem raten, der von seinen Emotionen überwältigt wird: Entschuldigen Sie sich und gehen Sie kurz raus. Das gilt übrigens auch für Männer.

Vielen Dank fur Ihr Interesse!
Der Befragungszeitraum fur den Gehaltsreport 2013 ist abgeschlossen.

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