Sonntag, 19. Mai 2019

Frauenquote "Zum Heulen gehe ich aufs Klo"

Karriere statt Zickenkrieg: Bleiben Sie locker, und arbeiten Sie an Ihrem Pokerface

2. Teil: "Das Queen-Bee-Syndrome"

mm: Und Sie glauben ernsthaft, dass in den zwei Jahren freiwillig was passiert?

Schneider: Es ist wichtig, dass 2013 wirklich nachgehakt wird, ob das Ziel erreicht worden ist. Es ist einfach Unsinn, den Unternehmen vorzugeben, wie viele Frauen sie einzustellen oder zu fördern haben. Vielmehr müssen Anreize innerhalb der Firmen geschaffen werden, zum Beispiel indem die Quote in den betrieblichen Zielvereinbarungen verankert wird. Erst wenn sich der Frauenanteil auf Gehalt und Boni der verantwortlichen Führungskräfte auswirkt, wird sich was ändern.

mm: Werden Quotenfrauen, die es aufgrund von Zielvereinbarungen oder sonstigen Regelungen nach oben schaffen, von ihren männlichen Kollegen akzeptiert?

Schneider: Frauen, die es in die Führungsetage schaffen, müssen das auch wollen. Wenn man seinen Job mit Leidenschaft angeht und ihn gut macht, kommt die Akzeptanz von ganz allein. Schafft ein Unternehmen dagegen ein Alibi-Vorstandsressort, in das eine Frau hineingepresst wird, wird sie natürlich einen schlechten Stand haben. Auch deshalb gilt: Es müssen Anreize geschaffen werden, zwingen kann man keinen - das gilt für Unternehmen wie für Frauen.

mm: Machen nur die Männer den Karrierefrauen das Leben schwer oder stehen sich weibliche Führungskräfte nicht auch gegenseitig im Weg?

Schneider: Es gibt weibliche Vorgesetzte, die keine Frau neben sich dulden. Das nennt die Genderforschung das Queen-Bee-Syndrome: Die Bienenkönigin kultiviert ihren Sonderstatus und ist blind für die Probleme anderer Frauen. Studien zeigen, dass das Phänomen existiert, allerdings nur in gemäßigter Ausprägung. Als Beraterin und früher als Managerin habe ich das auch kaum erlebt. Ich bin sowohl von Frauen als auch von Männern gefördert worden.

mm: Familienministerin Kristina Schröder fordert einen "Abschied von der Präsenzkultur" in Unternehmen, also dass nicht mehr derjenige als der Beste gelten soll, der am längsten am Schreibtisch sitzt. Sehen Sie das genauso?

Schneider: Zunächst mal könnte man ketzerisch fragen, wie das wohl im Ministerium von Frau Schröder aussieht. Abgesehen davon gilt auch hier: Niemand kann per Regelung oder Gesetz anordnen, dass sich die Arbeitszeiten zu verändern haben und erwarten, dass es morgen so ist. Das hat sehr viel mit den Mitarbeitern selbst zu tun. Manche gehen einfach früher und merken, dass sie die Arbeit trotzdem schaffen und vielleicht sogar effektiver arbeiten. Andere, zumeist Frauen, trauen sich das nicht. Sie entschuldigen sich viel zu oft, anstatt einfach mal zu machen. Da gibt es eine Bremse im Kopf, die das nicht zulässt. Mein Appell an die Frauen lautet: Hört auf, euch für alles wortreich zu entschuldigen. Seid mutig und nehmt euch die Freiheiten.

mm: Sind Frauen generell zu schüchtern, wenn es um ihre Karriere geht?

Schneider: Das würde ich nicht verallgemeinern. Es gibt aber Beispiele für Situationen, in denen Frauen mehr Mumm gut tun würde. Nehmen wir Gehaltsverhandlungen. Frauen zweifeln, ob sie für den Job wirklich geeignet und so viel Geld wert sind. Das merkt man ihnen natürlich an. Männer gehen viel selbstbewusster in die Verhandlung und trumpfen erstmal auf. Nach dem Motto: "Wenn Ihr mich wollt, müsst Ihr noch was drauflegen." So eine Einstellung hilft in Verhandlungen enorm. Aber auch das kann man nicht von heute auf morgen lernen. Das muss man trainieren. Üben Sie ein Pokerface.

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung