Britische Konzerne Kaum Frauen in Toppositionen

Wenn es um "Women on Boards" geht, also um Frauen in den Aufsichtsräten und Chefetagen der im FTSE 100 notierten Konzerne, ist Lord Davies of Abersoch not amused. Er hat nachgerechnet: In den Boards der 100 größten britischen Konzerne sitzen 87,5 Prozent Männer und 12,5 Prozent Frauen.

Hamburg - Lord Davies of Abersoch is not amused. Gerade stellte er im Auftrag der Regierung in London seinen gleichnamigen Bericht "Women on Boards" vor. Um es vorwegzunehmen: Die Lage sieht auch in Großbritannien nicht rosig aus, wennschon etwas fortgeschrittener als in Deutschland.

Aber was heißt schon Fortschritt, wenn man sich aufs Ganze betrachtet gehörig im Rückstand befindet: In den Boards der 100 größten Konzerne sitzen 87,5 Prozent Männer und 12,5 Prozent Frauen. Schaut man genauer hin, wer Aufsichtsmandate innehat, 11 Prozent Frauen nämlich, und wer tatsächlich die Geschäfte führt, dann schrumpft die Zahl der Frauen auf Executive-Ebene auf lächerliche 2 Prozent.

"Beim derzeitigen Tempo der Veränderung würde es 70 Jahre dauern, bis ein Gender-Gleichgewicht im Vereinigten Königreich erreicht wäre", schickt Lord Davies seinem ausführlichen Bericht voraus.

Davies ist sozusagen der englische Klaus-Peter Müller und steht der Kommission vor, die sich um gute Unternehmensführung sorgt. Weil auf die bisherige Gangart in der Genderfrage kein Verlass ist, fordert die Kommission des Britischen Corporate Governance Kodex verbindliche Zielquoten. In vier Jahren, also bis zum Jahr 2015 sollen die 100 größten Unternehmen in ihren Boards mindestens eine Quote von 25 Prozent Frauen erreicht haben. "Wir erwarten, dass tatsächlich aber viele (Unternehmen) eine höhere Zahl erreicht haben werden", fügt Davies hinzu.

Zweijahresplan für Frauen

Alle FTSE 350 Unternehmen sollen konkrete Ziele benennen, wie viele Frauen sie bis 2013 und für 2015 in ihren Kontroll- und Exekutivgremien Eintritt gewährt haben werden. Darüber hinaus sollen alle börsennotierten Unternehmen den Frauenanteil in den Boards, Führungspositionen und auf Mitarbeiterebene jährlich veröffentlichen. Sie sollen ferner Ziele benennen und veröffentlichen sowie auch Strategien, wie diese erreicht werden. Freie Aufsichtsratsposten sollen öffentlich ausgeschrieben werden.

Auch die Investoren werden aufgefordert, bei der Bewertung der Unternehmen auf Diversity und den Anteil der Frauen zu achten. Und die Personalberatungen sollen sich einen Kodex geben, um eben diesem Ziel zu dienen.

"Auch in Großbritannien ist die Vertretung von Frauen in der Unternehmensspitze viel zu gering", kommentiert Monika Schulz-Strelow, Präsidentin der einflussreichen Fidar, die sich in Deutschland ganz dem Ziel verschrieben hat, "Frauen in die Aufsichtsräte", 25 Prozent fordert auch sie. Gemeinsam mit dem manager magazin erarbeitete der Fidar soeben einen WoB-Index für die 160 börsennotierten Unternehmen der Dax-Familie. Der deutsche WoB (Women-on-Board) liegt noch bei beschämenden 3 Prozent.

Frauenkarrieren in britischen Konzernen

Männliche Vorstandsvorsitzende 30 Prozent
Weibliche Vorstandsvorsitzende 2 Prozent
Männliche Aufsichtsräte 57 Prozent
Weibliche Aufsichtsräte 11 Prozent
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