Montag, 23. September 2019

Frauen im Job Abgespeist und unterbezahlt

Realität in vielen deutschen Firmen: Männer heimsen Erfolge ein, während Frauen bei Gehalt und Karriere zurückstecken

Gleiche Qualifikation, gleiche Berufserfahrung, gleiche Verantwortung - und trotzdem weniger Gehalt: Woran liegt es, dass Frauen oft weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen? Viele Betroffene haben sich mit dem vergleichsweise niedrigeren Einkommen sogar arrangiert.

Hamburg - Sie ist live dabei gewesen - sagen aber durfte sie nichts. Wenn Marion West wieder einmal als Gleichstellungsbeauftragte in einem Bewerbungsgespräch dabei saß, sollte sie zuschauen, das war ihre Aufgabe. Aufpassen, dass keine falschen Fragen gestellt werden, nach einer möglichen Schwangerschaft etwa. Sie schaute auch zu, wenn einer jungen Bewerberin völlig selbstverständlich ein geringeres Gehalt angeboten wurde, als es für männliche Bewerber üblich war.

Sie selbst hat einmal mit einem Kollegen zusammen gearbeitet, der exakt die gleichen Aufgaben erledigte wie sie. Eines Tages sollten beide wegen einer Umstrukturierung ihres Arbeitgebers, ein großer IT-Konzern, eine Arbeitsbeschreibung abliefern. Weil sie ja die gleichen Aufgaben erledigten, kopierte der Kollege seine Beschreibung einfach für Marion West und reichte dann beide ein.

Etwas später bekam er einen neuen Arbeitsvertrag, inklusive einer höheren tariflichen Einstufung. Marion West dagegen blieb dort, wo sie war. "Damit waren für ihn die Tore zu anspruchsvolleren Aufgaben geöffnet, und damit auch zu einem höheren Gehalt. Er hat sich mittlerweile voran gearbeitet", sagt sie.

Marion West dagegen, die vor Jahren immerhin schon einmal Bereichsleiterin war, arbeitet jetzt im Prozess- und Qualitätsmanagement. Eine Aufgabe, die sie nicht sehr fordert. "Mit 47 Jahren sitze ich auf einer Stelle, auf der man mir nichts Größeres zutraut."

Manchmal sind es eben nur Kleinigkeiten, die Frauen am Weiterkommen hindern - und damit auch daran, mehr Geld zu verdienen. Eine tarifliche Einstufung etwa. Ein zu schnelles "Ja", wenn ein wenig prestigeträchtiges Projekt angeboten wird.

Frauen schätzen Wert ihrer Arbeit anders ein

Oder Bescheidenheit. Frauen fragen oftmals in Gehaltsverhandlungen, was man denn anbieten könne, und akzeptieren dann die genannte Summe. Männer nennen einen konkreten Betrag - und kommen damit durch.

Auch schätzen Frauen den Wert ihrer Arbeit ganz anders ein. So wurden in einer Studie Studentinnen gefragt, mit welchem Gehalt sie in ihrem ersten Vollzeitjob rechneten. Sie nannten die durchschnittliche Summe von 2877 Euro. Männliche Studenten dagegen gingen im Durchschnitt von knapp 600 Euro mehr aus.

In einer anderen Umfrage wurden 10.000 Erwerbstätige gefragt, welchen Betrag sie für ihre Arbeit angemessen fänden. Auch hierbei nannten die Frauen geringere Summen.

Damit nicht genug: Befragte, die ein gerechtes Gehalt für einen 55-jährigen Arzt mit überdurchschnittlichem Engagement nennen sollten, kamen auf 7750 Euro - sollten sie das Gehalt für eine Ärztin mit den gleichen Eigenschaften angeben, empfanden sie nur 7300 Euro als gerecht. Dabei spielte es keine Rolle, ob eine Frau oder ein Mann befragt wurde.

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