Dienstag, 19. November 2019

Auslandserfahrung Weltenkenner sind die besseren Unternehmenslenker

Der Cheftest zeigt: Auslandserfahrung wirkt sich positiv auf die Führungskompetenz aus

Der Cheftest des manager magazins zeigt: Wer im Ausland studiert oder gearbeitet hat, der bringt nicht nur neue Sprachkenntnisse mit, sondern erwirbt ganz nebenbei wichtige Fähigkeiten als Führungskraft.

Hamburg - Wer Karriere machen will, der sollte immer nah an der Zentrale bleiben. Dieses Vorurteil hält sich seit Jahren in deutschen Karriereratgebern, dabei ist es zumindest aus Sicht der Gesamtorganisation grundfalsch, denn mit der Auslandserfahrung nimmt die Führungskompetenz stark zu. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des Cheftests des manager magazins und des Karrierenetzwerks Xing.

Knapp 150.000 Menschen haben dabei in den letzten drei Monaten online getestet, ob sie das Zeug zu einem guten Chef haben und keine andere Variable weist dabei einen so wichtigen Einfluss auf wie die Auslandserfahrung. Fast 13 Prozent der Teilnehmer mit Auslandserfahrung erreichten mehr als 70 Prozent der Punkte, von den Daheimgebliebenen schafften das gerade einmal 6,8 Prozent.

Dass die Auslandserfahrung bei der internen Rekrutierung von Führungskräften dennoch oft sogar negative Auswirkungen hat, liegt an persönlichen Seilschaften, die sich eher zwischen den Managern in der Zentrale als im internationalen Firmennetzwerk bilden.

Für den Nachwuchsmanager, der Karriere machen will, bedeutet das einen Zwiespalt. Managementberaterin Dorothee Echter glaubt dennoch: "Für die Entwicklung der Persönlichkeit lohnt sich ein Auslandsaufenthalt immer." Wer ins Ausland gehe, müsse sich jedoch darauf einstellen, für weitere Karriereschritte das Unternehmen zu wechseln. "Aber das muss man sowieso tun, wenn man wirklich hoch hinaus will."

Interessant an den Ergebnissen des Tests ist, dass sich Auslandsaufenthalte auf fast alle Einzelkompetenzen positiv auswirken, nicht bloß auf nahe liegende Fähigkeiten wie "Diversity", mit der erfasst wird, wie sehr Manager in der Lage sind, unterschiedliche Persönlichkeiten und kulturelle Hintergründe in Teamplanung und Entscheidung einzubeziehen. Teilnehmer mit Auslandserfahrung erzielten in dieser Kategorie im Durchschnitt 65 Prozent der Punkte gegenüber von 55 Prozent bei Teilnehmern ohne diese Erfahrung.

Deutlich vorn waren die Teilnehmer mit längeren Auslandsaufenthalten zudem, wenn es darum ging, in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld Entscheidungen zu treffen. Denn Auslandsaufenthalte vermitteln oft eine zentrale unternehmerische Einsicht: Die besten Ergebnisse erzielt man nicht, wenn man sich darauf beschränkt das zu perfektionieren, was man ohnehin gut kann, sondern wenn man Umweltbedingungen als Chancen auffasst, seine Fähigkeiten in einem neuen Umfeld einzubringen.

"Jede unbekannte Situation, mit der ein Manager konfrontiert ist, erweitert seine Wahrnehmung", sagt Beraterin Echter. Wer im Ausland gearbeitet hat oder Unternehmenswechsel mitgemacht hat, könne daher bei Entscheidungen eine größere Anzahl von Faktoren einbeziehen. "Man sieht einfach mehr", so Echter.

Hier hatten Sie mitmachen konnen!
Fast 150.000 Karriereinteressierte haben getestet, wie fit sie fur den eigenen Aufstieg sind. Wer die Gelegenheit verpasst hat, wird im Laufe des Jahres 2011 wieder bei uns Gelegenheit dazu finden.

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