Beste Arbeitgeber Was Bewerber wirklich wollen

Wer steigt auf, wer steigt ab in der Gunst der Führungskräfte von Morgen? Exklusiv präsentiert manager magazin die begehrtesten Arbeitgeber Deutschlands, "männliche" und "weibliche" Konzerne und die Kriterien der Absolventen. Die setzen vor allem auf Sicherheit - und auf Autofirmen.
In der Gunst der Bewerber ganz vorn: Arbeitgeber Audi

In der Gunst der Bewerber ganz vorn: Arbeitgeber Audi

Foto: ddp

Hamburg - Für die Bewerber im Jahr 2010 heißt die Parole: das Schlimmste liegt hinter uns - jetzt bloß keine Fehler machen. Dies zeigen die Ergebnisse des "Absolventenbarometers 2010", das vom Berliner Beratungsunternehmen Trendence erhoben wird. Für die Business- und Engineering-Edition, deren Ergebnisse "manager magazin" exklusiv veröffentlicht, hat Trendence mehr als 21.000 examensnahe Studierende der Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften befragt.

Nüchterner sind sie geworden, die Absolventen, auch pragmatischer, aber dennoch nicht bereit, sich unter Wert zu verkaufen. So sagen etwa nur noch knapp 73 Prozent der Wirtschaftswissenschaftler, dass sie damit rechnen, "den Lebensstandard meiner Eltern mindestens zu erreichen" - 2009 waren es noch fast 80 Prozent. Umgekehrt ist aber auch die Zahl derjenigen gestiegen, die auf ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit Wert legen - und dies auch bei ihrer Entscheidung für einen Job berücksichtigen.

So sind die Ansprüche nicht nur auf Firmen- sondern auch auf Bewerberseite gestiegen. Vor allem Sicherheit steht wieder höher im Kurs. Die Rankings der "Besten Arbeitgeber" hat das an einigen Stellen kräftig durcheinandergewirbelt. So zählen etwa bei den Wirtschaftswissenschaftlern Firmen wie Volkswagen, Bosch, Ikea, Bertelsmann oder Siemens zu den wichtigsten Aufsteigern - während drei der "Big-Four"-Wirtschaftsprüfer zu den größten Verlierern gehören. Auch die Konsumgüterindustrie, wo die Aussichten immer besonders von der Verbrauchernachfrage abhängen, musste Federn lassen: Procter & Gamble , Unilever  und L'Oréal Deutschland sind abgestiegen (siehe Tabellen in Teil 2). Bei den Ingenieuren zählen - neben erneut Volkswagen  - Audi , BMW  und Bosch zu den wichtigsten Aufsteigern.

Überhaupt kann die Autoindustrie ihre Dominanz auch in diesem Jahr behaupten - Klimawandel hin oder her. Ebenfalls konstant: die Vorlieben der Geschlechter. Zwar können sich unter den Wirtschaftswissenschaftlern Männer und Frauen zwar auf einige gemeinsame Favoriten verständigen - wie Audi, BMW oder auch Adidas . Die attraktiven Marken ziehen beide Geschlechter an. Dennoch zeigt der Vergleich, dass es einige eher "maskuline" Arbeitgeber gibt (wie etwa Porsche, McKinsey, BCG, Goldman Sachs  oder die Deutsche Bank ) und einige stärker "feminine" geprägte, wie L'Oréal, Tui , Ikea, Lufthansa  oder Beiersdorf .

"Maskuline" und "feminine" Arbeitgeber, Auf- und Absteiger im Überblick

Die Affinität zu den jeweiligen Produkten scheint hier nach wie vor eine große Rolle zu spielen, Emanzipation hin oder her. Weniger ausgeprägt sind die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Ingenieuren, wobei die technikbegeisterten Damen offenbar einen stärkeren Hang zu forschungsorientierten Arbeitgebern wie der Max-Planck-Gesellschaft haben als die Herren der Schöpfung.

Foto: manager magazin

Doch wer als Unternehmen glaubt, ein schickes Auto oder ein klingender Name allein mache für die Absolventen schon attraktiv, sieht sich getäuscht. Tatsächlich prüfen die Absolventen genau, wer zu ihnen passt und wo sie ihre Ansprüche an den Job am ehesten verwirklichen können. Für die angehenden Ingenieure etwa steht dabei an erster Stelle die "Attraktivität der Arbeitsaufgaben", gefolgt von "Kollegialität" "persönlicher Entwickung", "Wertschätzung der Mitarbeiter" und "Weiterbildungsmöglichkeiten". Ähnlich sehen es die Wirtschaftswissenschaftler - allerdings sind ihnen "Karriereperspektiven im Unternehmen" wichtiger als Weiterbildung .

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Das im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegene Selbstbewusstsein der Absolventen spiegelt sich allerdings noch nicht im sogenannten "Optimismus-Index" nieder, den das Beratungsunternehmen Trendence neben den Rankings unter den Studenten erhebt. Der Index fiel zum zweiten Mal in Folge gegenüber dem Boomjahr 2008 ab. Allerdings bildet der Index lediglich die Erwartungen der Studenten hinsichtlich der Zahl der Bewerbungen sowie der Dauer des Bewerbungsprozesses ab. Er ist kein Indikator für die Zuversicht, am Ende der Bewerbungsphase auch tatsächlich einen Job zu haben. In diesem Punkt nämlich haben sich die Erwartungen deutlich aufgehellt: Sagten 2009 noch mehr als die Hälfte der Ingenieure, es werde schwer sein, eine Arbeitsstelle zu bekommen, glauben das in diesem Jahr nur noch 36 Prozent. Auch unter den Wirtschaftswissenschaftlern hat sich der Anteil der Pessimisten von fast zwei Dritteln auf knapp 48 Prozent reduziert. Ebenso ist unter ihnen der Anteil derjenigen, die sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen, von 47,5 auf 40 Prozent gesunken.

Ein Widerspruch zum "Optimismus-Index" ist das nicht - ganz im Gegenteil. Die Absolventen wissen, dass die Unternehmen derzeit bewerbermäßig aus dem Vollen schöpfen und sich ihre Kandidaten genau aussuchen können. Sie gehen also davon aus, dass sich der Bewerbungsprozess in die Länge ziehen wird - auch weil sie bei ihren eigenen Erwartungen nicht allzu viele Abstriche machen wollen. Gleichzeitig aber wissen sie um ihre Leistungen, und um die Macht, die ihnen die demographische Entwicklung über Kurz oder Lang in die Hände spielen wird. So sind sie bereit, den Bewerbungsmarathon zu absolvieren - und zuversichtlich, dass am Ende dann auch der Traumjob steht. Am besten beim Wunscharbeitgeber.

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