Commerzbank AR-Chef Müller verteidigt Pläne für Gehaltsanhebung

Klaus-Peter Müller hat seine gescheiterten Pläne für höhere Vorstandsgehälter bei der staatlich gestützten Bank verteidigt. "Ich verstehe, dass das widersprüchlich wirken mag", erklärte der Commerzbank-Aufsichtsratschef in einem Interview, das im Commerzbank-Intranet veröffentlicht worden ist. manager magazin präsentiert das Müller-Interview in voller Länge.

Frage: Herr Müller, die "Welt" und andere Medien berichten darüber, dass Sie sich gegenüber dem Soffin - letztlich vergeblich - für eine deutliche Anhebung der Vorstands-Festgehälter ausgesprochen haben. Wie passt das in die Zeit?

Müller: Wir mussten über die Vorstandsvergütung mit Berlin und dem Soffin sprechen, weil der Soffin mit uns eine Regelung getroffen hatte, die nur bis Ende 2009 galt, einschließlich der Deckelung. Darüber hinaus hatten wir mit dem Soffin vereinbart, auch für die Vorstände ein Modell zu entwickeln, das den Anforderungen nach Transparenz, Nachhaltigkeit und Angemessenheit genügt.

Im Sinne einer guten Corporate Governance und auch im Einklang mit der öffentlichen Debatte haben wir dann ein System entwickelt, das die Vorstandsvergütung wie bei allen Mitarbeitern noch stärker an langfristigen Zielen ausrichtet. Dazu gehörte auch der Vorschlag, zwar die Fixgehälter zu erhöhen, aber gleichzeitig die variablen Bezüge abzusenken, sie einer Malusregelung zu unterwerfen und erst nach Abschluss des vierten Geschäftsjahres eine eventuelle Tantieme auszuzahlen. Wie die erste Reaktion gezeigt hat, passt das neue Vergütungsmodell grundsätzlich sehr gut in die Zeit.

Ursprünglich war mit der Soffin eine Deckelung auf 500.000 Euro nur für die Jahre 2008 und 2009 vereinbart, so wie wir das auch im Vergütungsbericht ausgewiesen haben. Der Aufsichtsrat hat dem Wunsch des Soffin entsprochen und die Deckelung auch für das Jahr 2010 beschlossen.

Frage:Der Staat ist seit über einem Jahr an der Commerzbank beteiligt. Er wird es auf absehbare Zeit auch bleiben, und Sie wollen die Vorstandsbezüge erhöhen. Ist das Ihr Ernst?

Müller: Ich verstehe, dass das für manche auf den ersten Blick widersprüchlich wirken mag. Aber es ist nicht das Ziel des neuen Vergütungssystems, die Gesamtbezüge zu erhöhen. Richtig ist vielmehr, dass die Bezüge des Vorstands nach dem jetzt beschlossenen System deutlich reduzierte variable Bezüge vorsehen. Das Niveau der Vergütung zum Beispiel für die Jahre 2005 oder 2006 kann in den kommenden Jahren nicht wieder erreicht werden.

"Es gibt keinen Widerspruch"

Frage: Sie drängten vergeblich darauf, das Festgehalt für Vorstandsmitglieder sofort auf 750.000 Euro zu erhöhen…

Müller: Unser Ziel war und ist es, die Abhängigkeit von ausschließlich kurzfristigen variablen Vergütungsbestandteilen zu reduzieren. Das ist das, was auch in der öffentlichen Debatte über die richtigen Vergütungsstrukturen immer wieder gefordert wird. Gleichzeitig muss die Vergütung wettbewerbsfähig sein. Und hier vergleicht der Aufsichtsrat nicht mit dem Investmentbanker im In- und Ausland, sondern mit vergleichbaren Instituten in Deutschland. Eine verbesserte Nachhaltigkeit und gleichzeitige Wettbewerbfähigkeit erreichen Sie aber nur, wenn das Verhältnis von fixen zu variablen Bestandteilen angepasst wird. Das haben wir getan.

Frage: Also wird die Erhöhung des Festgehalts kommen, nur später?

Müller: Ja, aber das ist nur ein Aspekt. Wir setzen als erste Bank in Deutschland die Vorgaben um, die die G20-Regierungschefs in Pittsburgh gemacht haben. Voraussetzung für die Zahlung variabler Bezüge sind nachhaltig erzielte Gewinne.

Frage: Herr Müller, die Medien stellen jetzt die Frage, wie die Forderung nach einer Erhöhung der Fixbezüge für die Vorstände der Commerzbank zu Ihrer Tätigkeit als Vorsitzender der Corporate Governance Kommission passt?

Müller: Es gibt keinen Widerspruch. Als Aufsichtsratsvorsitzender lege ich doch keine anderen Prinzipien an, denn als Vorsitzender der Kommission. Die Deutsche Corporate Governance Kommission hat sich klar ausgesprochen für transparente vertikal und horizontal angemessene und nachhaltige Vergütungsstrukturen. Sie hat unterstrichen, dass die langfristigen Komponenten gestärkt und der Vorstand auch durch Malusregelungen vom Misserfolg betroffen wird.

Alles das ist in dem Commerzbank Modell berücksichtigt worden. Und ich habe mich als Vorsitzender der Kommission gegen jegliche Boni-Exzesse ausgesprochen. Der von uns vorgeschlagene Vergütungsrahmen ist davon weit entfernt. Mit unserem Modell haben wir die berechtigten Anforderungen des Soffin und auch der G20 berücksichtigt. Was die Fixgehälter angeht, haben wir jetzt mit dem Soffin einen tragbaren Kompromiss erzielt. Das alles entspricht vollständig den Prinzipien, denen sich auch die Corporate Governance Kommission verpflichtet sieht.

Frage: Gegenüber dem Soffin haben Sie damit argumentiert, Vorstände seien bei einer weiteren Deckelung der Vergütung abwanderungsgefährdet?

Müller: Es ist nicht meine Art, über Einzelheiten von Diskussionsverläufen, zu denen Vertraulichkeit vereinbart war, öffentlich zu sprechen. Man muss aber kein intimer Kenner der Materie sein, um zu wissen, dass Bankvorstände im Allgemeinen mehr verdienen als unsere derzeit. Im Übrigen haben Vorstände in der Commerzbank auch schon früher weniger verdient als Vorstände in vergleichbaren Häusern, und dabei spreche ich nicht nur von der Deutschen Bank oder der Dresdner Bank. Ich habe den Eindruck, dass wir heute ein hervorragendes, verantwortungsbewusstes Managementteam haben, das in dieser Form gut zusammen arbeitet und das auch gerne tut. Und ich glaube auch, dass das für unsere Bank in diesen Zeiten ein wertvoller und nicht zu unterschätzender Faktor ist.