Gehalt Weniger Netto als vor 18 Jahren

Seit 1990 mussten Ärzte einen Verlust ihres Nettoeinkommens um 50 Prozent verkraften. Zwar stehen Mediziner noch immer ganz oben auf der Liste der Topverdiener. Aber von Gehaltszuwächsen wie bei Maklern, Designern oder Verwaltungsfachleuten können sie ebenso wie die Mehrzahl aller Deutschen auch künftig nur träumen.

Hamburg - Das Bruttoeinkommen von Ärzten ist binnen 18 Jahren um 50 Prozent gesunken, Grafiker und Designer dagegen können sich über ein sattes Plus von 85 Prozent freuen. Das geht aus dem "Stern"-Einkommenscheck hervor. Dennoch können sich Mediziner trotz der Halbierung ihrer Einnahmen über den Spitzenplatz im Einkommensranking freuen.

Nach Einrechnung der Inflationsrate bekamen viele Bundesbürger 2008 deutlich weniger Bruttogehalt als 1990. In rund der Hälfte der 100 gängigsten Berufe in Deutschland sind die Bezüge zwischen 1990 und 2008 deutlich gesunken.

Das Hamburger Institut Statista untersuchte für den "Stern" die 100 gängigsten Berufe in Deutschland. Basis war der Bruttoverdienst von vollbeschäftigten Arbeitern, Angestellten, Beamten und Selbstständigen aus dem Jahr 1990 gegenüber dem Jahr 2008. Eingerechnet wurde auch die Inflation, die im Vergleichszeitraum insgesamt 47 Prozent betrug, wie das Magazin weiter berichtet.

Gewinner im Gehaltsvergleich

Beruf 2008 1990 Differenz (inflationsbereinigt)
Grafiker u. Designer 4.690€ 1.740€ +85%
Marketing u. Absatzfachleute 3.640€ 1.530€ +63%
Makler 4.740€ 2.010€ +62%
Landwirte 2.350€ 1.180€ +37%
Architekten 4.490€ 2.270€ +36%
Gastronomieinhaber 2.430€ 1.250€ +33%
Reiseverkehrskaufleute 4.180€ 2.180€ +32%
Controller u. Organisatoren 4.140€ 2.200€ +29%
Bankfachleute u. Anlageberater 3.570€ 1.900€ +29%
Köche 2.240€ 1.190€ +29%
Quelle: Stern

Während Ärzte trotz der Einbußen ihren Spitzenplatz behaupten konnten, gab es auf den nachfolgenden Rängen einige Verschiebungen. So schoben sich bis 2008 Verwaltungsfachleute (höherer Dienst) auf den zweiten Platz der Topverdiener, 1990 standen sie noch auf Platz zehn. Geschäftsführer sind jetzt auf dem dritten Rang (vorher zwei). Für Unternehmensberater ging es einen Platz abwärts auf die Vier. Ebenfalls einen Rang hinuntergerutscht sind Anwälte auf Platz fünf.

Verlierer im Gehaltsvergleich

Beruf 2008 1990 Differenz (inflationsbereinigt)
Ärzte 6.400€ 8.780€ -50%
Sportlehrer 2.500€ 2.810€ -39%
Förster 3.260€ 3.590€ -38%
Werbefachleute 2.780€ 3.100€ -38%
Informatiker 3.260€ 3.400€ -34%
Zahntechniker 1.930€ 1.940€ -32%
Künstler 2.220€ 2.110€ -28%
Psychologen 3.910€ 3.700€ -27%
Wissenschaftler u.Forscher 3.340€ 2.910€ -21%
Grund-, Hauptschul-, Real-, Sonderschullehrer 3.160€ 2.740€ -21%
Berufskraftfahrer 2.090€ 1.810€ -21%
Quelle: Stern

Einen großen Sprung nach oben gelang Maklern: 2008 sind sie Sechster, 1990 nahmen sie in dem Ranking noch den Platz 29 ein. Hochschullehrer sind jetzt die Nummer sieben unter den Topverdienern (13), Bauingenieure auf Platz acht (15) und Architekten auf Rang neun (24). Maschinenbauingenieure dagegen sackten von Platz acht auf zehn.

"Tagsüber Anwalt, abends Taxifahrer"

Die Untersuchung habe einige bemerkenswerte Trends ans Tageslicht befördert, schrieb der "Stern" weiter: "Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst konnten ihre Einkommen deutlich steigern - auch nach Abzug der Preissteigerung." Selbstständige hätten alle anderen Berufsgruppen überflügelt.

Dennoch gebe es unter den Freiberuflern große Unterschiede, wie Claus Schäfer von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung dem Magazin sagte: "Etablierte Kanzleien verdienen sehr gut, während sich manche Juristen als Berufseinsteiger mit Nebenjobs über Wasser halten - tagsüber Anwalt, abends Taxifahrer."

Ein weiterer Trend zeige sich auch in Hinblick auf die Hierarchie, hieß es weiter: Angestellte mit Führungsaufgaben hätten ihre Gehälter deutlich steigern können, ihr Bruttoeinkommen sei inflationsbereinigt um 18 Prozent gestiegen. Und schließlich sei festzustellen, dass ältere Arbeitnehmer ihr Einkommen deutlich ausbauen und den Kaufkraftverlust der letzten Jahre mehr als ausgleichen konnten. Jüngeren Beschäftigten sei das nicht in dem Maße gelungen.

Untersucht wurden auch Sonderzahlungen, also etwa Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Immer weniger Arbeitnehmer erhalten laut "Stern" noch eine solche Zusatzleistung. "Dafür greifen die Arbeitgeber öfter zum Instrument der Gewinnbeteiligung." Die Folge: Wirtschaftet das Unternehmen gut, gibt es auch mehr Geld. In Krisenzeiten indes fällt die Prämie mager aus - oder sogar komplett weg.

Grundlage für die Berechnungen waren die Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), für das seit 1984 jährlich 20.000 Personen befragt werden. Zudem wurden Untersuchungen der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zu den Tarifverträgen herangezogen.

manager magazin mit Material von apd und dpa-afx

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