Siemens Klage gegen Gigaset-Chef Hütten

Der Streit um den Telefonhersteller Gigaset eskaliert: Die beiden Besitzer Siemens und der Münchener Finanzinvestor Arques treffen sich vor Gericht. Konkret geht Siemens gegen Michael Hütten vor, der gleichzeitig Gigaset-Chef und Arques-Vorstand ist.

München - "Wir sehen einen Interessenkonflikt in der Doppelrolle", sagte ein Siemens-Sprecher am Donnerstagabend auf Nachfrage und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Freitagausgabe). Arques  wehrt sich gegen die Anschuldigungen.

"Der Vorwurf des Interessenkonflikts überrascht uns sehr", sagte Arques-Chef Hans Gisbert Ulmke der Zeitung. "Solche Konstellationen gibt es doch sehr häufig in Unternehmen." Entscheiden soll nun an diesem Freitag das Münchener Landgericht. Mit einem Urteil wird bereits nach der ersten Sitzung gerechnet. "Vorherige Einigungsversuche sind gescheitert", sagte der Siemens-Sprecher.

Siemens  hatte die Mehrheit von Gigaset im Oktober vergangenen Jahres an Arques abgegeben und damit einen Schlussstrich unter sein Engagement in der Telekommunikation gezogen. Nach schlechten Erfahrungen mit der Pleite gegangenen Ex-Handy-Tochter BenQ Mobile behielt Siemens jedoch noch 19,8 Prozent an Gigaset, um Einfluss auf die Geschicke nehmen zu können. Die beiden Anteilseigner zerstritten sich in den folgenden Monaten über Geldfragen. Ende Oktober setzte Arques dann die bisherigen Gigaset-Chefs vor die Tür und installierte seinen Vorstand Hütten als neue Spitze.

Gigaset mit Sitz in München und einem großen Werk in Bocholt ist einer der führenden Hersteller von Schnurlostelefonen weltweit. Das Unternehmen schreibt jedoch nicht zuletzt wegen seines laufenden Umbaus rote Zahlen. Dem Vernehmen nach verweigert Arques seiner neuen Beteiligung eine vertraglich zugesagte Unterstützung von 20 Millionen Euro. Bei Siemens herrscht nun die Sorge, selbst einspringen zu müssen. Bereits bei der Trennung hatten die Münchener dem Telefonhersteller eine stattliche Mitgift zugestanden. Bei Gigaset arbeiten rund 1800 Menschen.

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa-afx

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