Mittwoch, 1. April 2020

Erfolgreich online bewerben "Es geht darum, gefunden zu werden"

Das Internet hat die Personalsuche und den Bewerbungsprozess von Akademikern tiefgreifend verändert. Mit dem Wirtschaftsinformatiker und Recruitingspezialisten Tim Weitzel sprach manager magazin über intelligente Selbstpräsentation, neue Bewerbungsstrategien und die Bedeutung von Anglern und Eisenbahnblogs.

mm: Welche Wege sollten Absolventen heute beschreiten, um im Web ihren Traumjob zu finden?

Weitzel: Heute ist es nicht nur wichtig, intelligent zu suchen, sondern es geht vor allem darum, intelligent gefunden zu werden. Als Erstes sollte ein aussagekräftiger Lebenslauf in den einschlägigen Kanälen im Web eingestellt werden. Ein Großteil der Kandidaten bewirbt sich unterdessen passiv. Die stellen ihren Lebenslauf bei den einschlägigen Webseiten ein und warten, dass sich die Unternehmen bei ihnen melden. Viele machen das, um ihren Marktwert anzutesten und zu ermitteln, was potenzielle Arbeitgeber zu zahlen bereit sind.

Tim Weitzel ist Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Bamberg und Autor der Studie Recruitingtrends 2010
mm: Worauf muss man bei dieser Strategie achten?

Weitzel: Wichtig ist, dass der Absolvent sich so beschreibt wie der, der ihn sucht. Das fängt bei Banalitäten an. Wer etwa Rechtschreibfehler macht, wird nicht gefunden, weil er durch das Suchraster fällt.

mm: Das sind Basics. Worauf sollte man im Detail achten?

Weitzel: Es geht darum, Alleinstellungsmerkmale klar zu umreißen. Wichtig ist, dass sich Kandidaten so darstellen, dass der potenzielle Arbeitgeber den echten Mehrwert für sein Unternehmen sieht. Die Bewerber sollten sich geschickt als Problemlöser darstellen.

mm: Sind Initiativbewebungen sinnvoll?

Weitzel: Nein, absolut nicht. BMW etwa bekommt 100.000 Bewerbungen im Jahr, stellt aber nur 1000 Leute ein. Da hilft es nicht, dass man sich meldet, ohne dass es eine Stellenausschreibung gibt. Wenn man dagegen auf eine Ausschreibung reagiert, gibt man den Unternehmen die Gelegenheit, das Bewerberprofil einzuordnen, auch wenn der Job anderweitig besetzt wird. Dann landet der Bewerber im internen Kandidatenpool.

mm: Und dort versauert er dann?

Weitzel: Mitnichten. Große Unternehmen kümmern sich unterdessen um potenzielle Mitarbeiter, wenn sie ein interessantes Profil haben. Man versucht also, die Kandidaten an sich zu binden, reagiert auf E-Mails, meldet sich, bietet andere Jobs an und so weiter.

mm: Ist es klüger, eine handschriftliche Bewerbung einzuschicken, oder sollte man sich der automatischen Formularbewerbung auf der Unternehmenswebseite bedienen?

Weitzel: Die Formularbewerbung ist wesentlich wichtiger. Das Unternehmen generiert mit dieser Bewebung strukturierte Daten - genau das, was man braucht, um eine freie Stelle adäquat zu besetzen. Die Formularbewerbung ist so aufgebaut, dass Kandidaten gefunden werden - was für den Bewerber den Vorteil hat, dass er sofort mit der Bewerbung gute Chancen hat, einen Job zu bekommen.

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