Rainer Brüderle "Ein typischer Kümmerer"

Gut einen Monat nach Amtsantritt versucht Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, bei der ersten großen Auslandsreise nach China sein außenwirtschaftliches Profil zu schärfen. Dabei macht der FDP-Politiker es den mehr als zwei Dutzend mitreisenden Journalisten nicht leicht, Schlagzeilen zu finden.

Peking - Mit Sätzen wie "An China kommt keiner vorbei", "Wir brauchen China als Partner", "Freundschaft will gepflegt werden" ergeht sich Brüderle in Allgemeinplätzen. Dennoch versucht er Zeichen zu setzen, und mancher der ihn nach Peking begleitenden Unternehmensführer mahnt: "Unterschätzt den nicht."

Der 64-jährige Brüderle ist kein Anfänger. Er hat mehr als zehn Jahre Erfahrung als rheinland-pfälzischer Wirtschaftsminister gesammelt und beackert das Feld der Wirtschaftspolitik seit Jahrzehnten für seine Partei. "Brüderle ist ein typischer Kümmerer", beschreibt ihn ein Delegationsmitglied, das ihn seit vielen Jahren kennt. Zu dem könne ein Mittelständler jederzeit mit Problemen kommen. Brüderle belasse es in solchen Fällen nicht nur bei Lippenbekenntnissen, sondern helfe.

Dass der neue Bundeswirtschaftsminister nicht wie Amtsvorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in den Politiker-Hitlisten durchstarten wird, wusste jeder: Brüderle ebenso wie seine Partei und Bundeskanzlerin Angela Merkel. BASF-Chef Jürgen Hambrecht aber ärgert sich. Schon lange nicht mehr, so schimpft er am Rande einer Betriebsbesichtigung, sei jemand von Anfang an so heruntergeschrieben und schlechtgeredet worden wie Brüderle.

Hambrecht, der als Chef des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft bei der Reise mit von der Partie ist, preist den Minister: "Der weiß wovon er redet - das kann ich Ihnen sagen." Da werde sich so mancher noch wundern. Und von China verstehe Brüderle ohnehin einiges. Schließlich habe er als Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz schon 1988 die erste deutsch-chinesische Partnerschaft eines Bundeslands aus der Taufe gehoben.

Brüderle versucht derweil, erste Zeichen zu setzen. Kurz nach seiner Ankunft in Peking besucht er gleich einen Mittelständler: Das Familienunternehmen Hörmann aus dem Raum Bielefeld, das auch in Peking mit großem Erfolg Türen baut. Er wolle ein Zeichen setzen, dass der Mittelstand bei der schwarz-gelben Bundesregierung ganz weit oben stehe, sagt der Minister.

Und er belässt es nicht bei einem reinen Termin zur Imagepflege. Resolut fordert Brüderle Hörmann-Manager Dirk Fell auf, nicht nur über Erfolge, sondern auch über Probleme auf dem schwierigen chinesischen Markt zu sprechen. Erst etwas zögerlich kommt Fell der Aufforderung des Ministers aus dem fernen Berlin nach und beginnt von Schwierigkeiten bei der Grundstückssuche und der großen Personalfluktuation zu sprechen. Der neue Minister, so sieht es aus, bleibt nicht im Allgemeinen stecken.

Gernot Heller, reuters

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