Schadensersatz Siemens lehnt Neubürger-Plan ab

In der Siemens-Korruptionsaffäre ist eine Einigung mit dem früheren Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger offenbar nicht in Sicht. Neubürger wehrt sich laut einem Medienbericht vehement gegen den Vorwurf, er habe seine Aufsichtspflichten verletzt.

Hamburg - Die seit gut drei Jahren schwelende Korruptionsaffäre ist für die neue Siemens-Führung auch nach der Einigung mit Ex-Chef Heinrich von Pierer (68) und acht weiteren Altvorständen über Schadensersatzzahlungen von knapp 20 Millionen Euro noch lange nicht ausgestanden. Vor allem der frühere Finanzchef und langjährige Siemens-Manager Heinz-Joachim Neubürger (56), der neben Ex-Vorstand Thomas Ganswindt (49) einen Vergleich ablehnte, wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe seine Aufsichtspflichten verletzt.

Außerdem rüge Neubürger, dass ihm vom Konzern bislang die Einsicht in wichtige Unterlagen für den bevorstehenden Zivilprozess vorenthalten worden seien, berichtet das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL vorab aus seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. Ein Siemens-Sprecher habe betont, allen Ex-Vorständen sei in derselben Weise Zugang zu den nötigen Dokumenten gewährt worden.

Neubürger habe die Siemens-Forderung von vier Millionen Euro Schadenersatz für die Korruptionsaffäre abgelehnt und stattdessen zunächst nur eine ansehnliche sechsstellige Summe als symbolische Buße zahlen . Sollte er nach einem seit fast drei Jahren anhängigen Ermittlungsverfahrens der Münchner Staatsanwaltschaft verurteilt werden, obwohl er die erhobenen Vorwürfe für "nicht begründet" hält, wollte er einen Nachschlag entrichten. Doch der Aufsichtsrat unter Chefkontrolleur Gerhard Cromme habe das Kompromissangebot abgelehnt. Ein Siemens-Sprecher wollte sich am Samstag auf Anfrage nicht dazu äußern.

Bei dem nun anstehenden Prozess wolle Neubürger auch bislang wenig bekannte, ihn entlastende Argumente und Unterlagen einbringen. Sie seien nach Ansicht seiner Anwälte bisher zu wenig gewürdigt worden. So habe Neubürger frühzeitig angeregt, Beraterverträge schärfer zu kontrollieren, sei damit aber zunächst gescheitert. Auch habe er seine Vorstandskollegen ausdrücklich auf die Gefahren mangelnder Korruptionskontrollen hingewiesen.

Mit Neubürger sowie mit Ex-Vorstand Ganswindt wird sich das Unternehmen nun voraussichtlich vor Gericht auseinandersetzen müssen. Ihnen stehen noch vor der Siemens-Hauptversammlung im Januar Schadenersatzklagen ins Haus. Gegen beide Ex-Manager laufen strafrechtliche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München.

Siemens  hatte den früheren Managern vorgeworfen, bei den Geschäften des Unternehmens nicht genau genug hingeschaut und so das System aus schwarzen Kassen und fingierten Beraterverträgen begünstigt zu haben. Darüber sollen über Jahre hinweg rund 1,3 Milliarden Euro in dunklen Kanälen verschwunden und als Schmiergeld zur Erlangung von Aufträgen im Ausland eingesetzt worden sein. Pierer hatte dies zwar zurückgewiesen, sich aber trotzdem zur Zahlung bereiterklärt. Dem Vernehmen nach soll er fünf Millionen Euro zahlen.

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa

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