Ed Whitacre Der handfeste Hüne, der GM steuert

Opels Verkauf wird überraschend abgeblasen, GM-Chef Fritz Henderson muss ebenso überraschend gehen. Hinter all dem steckt Ed Whitacre, den US-Präsident Obama erst vor wenigen Monaten zum Chefaufseher bei GM machte. Dabei sagt Whitacre von sich selbst: "Von Autos habe ich keine Ahnung."

Detroit - Ed Whitacre hat ein zupackendes Wesen. Lediglich fünf Monate hat sich der 68-Jährige beim krisengeschüttelten US-Autoriesen General Motors mit dem Posten des Chefkontrolleurs begnügt. Nun steuert der texanische Ranchbesitzer, dessen Hobby das Schlangentöten ist, den Konzern auch selbst. Dabei gestand er vor kurzem noch offen ein: "Von Autos habe ich keine Ahnung."

Der fast zwei Meter große Hüne Whitacre, genannt "Big Ed", hat mächtige Freunde. US-Präsident Barack Obama selbst entsandte ihn, um GM nach der Insolvenz wieder auf die richtige Spur zu bringen und den Steuerzahlern ihre 50 Milliarden Dollar Hilfen zurückzubringen. Um schneller ans Ziel zu kommen, sägte er nun Konzernlenker Fritz Henderson (51) kurzerhand ab.

Whitacre hat auch keine Scheu, sich mit den Großen der Welt anzulegen. So pokert er mit der Bundesregierung um die Sanierung von Opel - und blufft dabei auch mal gern. Erst protzte er: "Wenn Frau Merkel nichts zur Verfügung stellen will, dann bezahlen wir das eben selbst." Jetzt fordert er nach Berliner Angaben doch rund 2,7 Milliarden Euro von Europas Regierungen.

Mit seiner Chuzpe wurde Whitacre zu einem der mächtigsten und erfolgreichsten Manager der USA. Er baute den relativ kleinen Telekommunikationsanbieter SBC  durch eine Kette von Übernahmen zu einem Branchenriesen aus. Als Krönung kaufte er dann 2005 den einst zerschlagenen Telefonmonopolisten AT&T und übernahm den traditionsreichen Namen kurzerhand für sein Unternehmen. 2007 zog sich Whitacre bei AT&T zurück.

Seine enge Verbundenheit mit der Telekombranche werfen ihm Experten aber auch vor - er könne nichts anderes, lautet die Kritik. Die US-Regierung setzte dagegen bewusst einen Branchenfremden als Chef des GM-Verwaltungsrats ein. Bereits vor seiner kompletten Machtübernahme bei GM war Whitacre das neue Aushängeschild des Konzerns: In TV-Spots schickte er die neuen Modelle gegen die Konkurrenz ins Rennen. Seine Parole: "Möge das bessere Auto gewinnen."

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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