Heidelberger Druck Konzern und Vorstand werden umgebaut

Jetzt ist es offiziell: Jürgen Rautert, bisher Vertriebschef beim Maschinenbauer Heidelberger Druck, räumt seinen Posten. Über die Personalie hatte manager magazin exklusiv berichtet. Rauterts Aufgaben übernimmt Heideldruck-Chef Bernhard Schreier. Außerdem wird der gesamte Konzern neu organisiert.

Stuttgart - Der von der Wirtschaftsflaute arg gebeutelte Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck strukturiert um. Ein neuer Zuschnitt der Sparten und neue Führungskräfte sollen helfen, die schwere Zeit zu meistern.

Auf der Strecke bleibt dabei - wie manager magazin bereits exklusiv berichtete - Vertriebschef Jürgen Rautert. Er scheide "einvernehmlich" aus dem Vorstand aus, teilte Heidelberger Druck  am Donnerstag nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Seine Aufgaben übernimmt Konzernchef Bernhard Schreier.

Der promovierte Maschinenbauingenieur Rautert begann seine Karriere 1990 bei den Heidelbergern. Dem Vorstand gehört der 51-jährige Manager seit Juli 2004 an. Schon vor gut einem Jahr sah es so aus, als wäre Rauterts Verbleib im Führungsgremium von Heideldruck nicht mehr gesichert. Hintergrund waren die ständigen Querelen zwischen dem leicht aufbrausenden Vertriebsmann und dem eher konsensbedachten Vorstandschef Schreier. Mittlerweile aber, so berichten Insider, könne sich der schwer angeschlagene MDax-Konzern keinerlei Richtungskämpfe mehr leisten.

Zudem wird Rautert nachgesagt, dass er gemeinsam mit Finanzvorstand Dirk Kaliebe die Fusionsgespräche mit dem Konkurrenten Manroland behindert habe. Die Verhandlungen waren im Oktober gescheitert. Beiden Unternehmen sind in der Wirtschaftskrise die Aufträge weggebrochen. Heidelberger Druck musste sogar Staatshilfe annehmen, um zu überleben. Der Konzern schreibt seit sechs Quartalen rote Zahlen.

Heidelberger Druck versucht, seine Lage nun mit einer Neuaufstellung zu verbessern: Der Konzern gliedert sich ab 1. April 2010 in eine Sparte für Geräte und eine für Services. Hinzu kommen wie gehabt die Finanzdienstleistungen. Bislang war das Unternehmen in Drucktechnik und nachgelagerte Technik wie Verpackungsmaschinen gegliedert.

In diesen Sparten wurden auch Wartung oder der Verkauf von Verbrauchsmaterialien abgewickelt. An die Spitze der Gerätesparte rückt Stephan Plenz, an die der Service-Sparte Marcel Kießling. Beide steigen auch in den Vorstand auf. Die Finanzdienstleistungen verbleiben in der Zuständigkeit von Finanzchef Dirk Kaliebe.

"Wir haben in den starken Jahren den Service nebenher laufen lassen", räumte Schreier ein. Mit der Neuaufstellung will er das Versäumnis wettmachen. "Das Servicegeschäft ist ein relativ konjunkturunabhängiges Standbein, dass dauerhaft 30 Prozent vom Umsatz bringen dürfte."

Ursprünglich hatte Schreier 25 Prozent angepeilt, im vergangenen Geschäftsjahr (Ende Juni) waren es dann wegen der sinkenden Gerätebestellungen bereits 30 Prozent gewesen und in diesem Geschäftsjahr rechnet Schreier mit 40 Prozent Anteil von Wartung oder Verbrauchsmaterialien am Gesamtumsatz. Auch ein Vorteil, wie Schreier findet: "Wir gehen davon aus, dass die Margen höher liegen werden als beim Equipment." Schreier hatte jedoch bereits klargestellt, das das Unternehmen um einen weiteren Jahresverlust nicht herumkommen werde.

Einen zusätzlichen Stellenabbau im Zuge der Neugliederung wollte Schreier nicht ausschließen. "Das können sie nie in der Krise." Die Zuständigkeiten sollten überprüft werden. Bis Ende März soll dann Klarheit herrschen. "Ob am Ende jeder an der gleichen Stelle sitzt, wird sich zeigen", sagte Schreier.

Nach letztem Stand sind bereits 2400 Beschäftigte ausgeschieden. 4000 sollen insgesamt gehen. Und auch die verbliebenen Mitarbeiter müssen Einschnitte hinnehmen. "Wir haben praktisch alle Mitarbeiter mehr oder weniger in Kurzarbeit." Dieser Zustand werde auch noch bis ins nächste Jahr anhalten.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.