Hochschulquartett Forschen und Lehren in Ruinen

Die baulichen Zustände an deutschen Unis sind verheerend: Deckenplatten drohen in Hörsäle zu stürzen, Fenster fallen aus ihren Rahmen. Das "Hochschulquartett" debattiert heute darüber, ob die einstürzenden Hochschulbauten womöglich nur das Symptom eines verrotteten Systems sind, gegen das Studierende seit Wochen vehement protestieren.

Sendetermin: 27. November, 19:15 bis 20:00 Uhr , DLF 

Jeder Häuslebauer begreift das ökonomische Debakel nach nur einer Zahl: Mit einem Jahresbudget von 0,2 Prozent des Gebäudewerts lässt sich keine Immobilie in Schuss halten. Wird ein Reihenhaus beispielsweise für 200.000 Euro errichtet, dann dürften nach dieser Rechnung künftig nur 400 Euro pro Jahr für Reparaturen und Renovierungen ausgegeben werden. Jede praktische Erfahrung lehrt: ein Vielfaches ist nötig; bei stark genutzten öffentlichen Gebäuden kalkulieren Experten sogar mit dem zehnfachen Prozentsatz.

Dennoch sollten die deutschen Hochschulen bisher mit diesen lächerlichen 0,2 Prozent des Gebäudewerts ihre Labors und Hörsaalgebäude, Bibliotheken und Lehrmittelsammlungen instand halten. Weil das aber hinten und vorn nicht reicht, mussten zum Beispiel an der Uni Köln in einigen Hörsälen zeitweise Fangnetze aufgespannt werden, damit den Studierenden nicht die losen Deckenplatten auf den Kopf fallen.

An der TU Braunschweig bedrohten herabfallend Fassadenteile Passanten - Teile des Geländes mussten folglich abgesperrt werden. An der Uni Bonn sollten schließlich sogar die politisch derzeit so umstrittenen Studiengebühren für die Renovierung der Toiletten herhalten, obwohl diese Zwangsabgaben nur für eine Verbesserung der Lehre und der akademischen Ausstattung vorgesehen sind.

Im Rahmen ihrer Konjunkturprogramme hat die Bundesregierung - nach der Föderalismusreform des Jahres 2005 eigentlich nicht mehr zuständig für den Hochschulbau - jetzt 6,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Damit sollen wenigstens die ärgsten Missstände beseitigt werden. Doch selbst diese respektable Summe wirkt nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein: Insgesamt, so hat es die Hochschulrektorenkonferenz vorgerechnet, fehlen den Unis und Fachhochschulen mindestens 25 Milliarden Euro, um ihre maroden Gebäude wieder in Schuss zu bringen.

Wie soll es also weiter gehen an den deutschen Hochschulen, an denen seit Wochen schon Hunderttausende von Studierenden streiken und protestieren für bessere Studienbedingungen? Was muss passieren, was kann unternommen werden, damit die teilweise einsturzgefährdeten Ruinen saniert und modernisiert werden?

Sind die verrottenden Gebäude womöglich nur das äußerlich erkennbare Symptom eines Hochschulsystems, das im Innern längst vollständig verrottet ist - und deshalb in den vergangenen Wochen anhaltende Proteste der Studierenden auf sich gezogen hat?

Über solch grundsätzlichen und hochaktuellen Fragen zum Zustand der deutschen Unis und FH debattiert "Das Hochschul-Quartett" in seiner heutigen Sendung (Freitag, 27. November) von 19:15 bis 20:00 Uhr . Der Deutschlandfunk (DLF) überträgt die Podiumsdiskussion bundesweit. Der Live-Stream ist über www.dradio.de/jetztimradio  zu hören, der Podcast ist ab Montag, 30. November downloadbar unter www.dradio.de .

Auf dem Podium diskutieren:

  • Prof. Wolfgang Herrmann, Präsident der Exzellenzhochschule TU München
  • Prof. Jürgen Hesselbach, Präsident der TU Braunschweig und
  • Prof. Dieter Lenzen, Präsident der Exzellenzhochschule FU Berlin
  • sowie als Gast Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Innovationsminister des Landes Nordrhein-Westfalen (FDP).

Moderiert wird die Sendung von Christian Floto (DLF) und Michael Kröher (manager magazin).

Die Diskussion des "Hochschulquartetts" findet im Senatssaal der TU München statt (Arcisstr. 21, München), Zuhörer sind willkommen. Nach der Live-Sendung beantworten die Podiumsteilnehmer Fragen aus dem Publikum.

Das nächste "Hochschulquartett" wird am 30. Januar 2009, von 19:15 bis 20:00 Uhr, ebenfalls live übertragen. Thema der Debatte wird dann sein: "Bachelor- und Master-Studiengänge - Die missratene Reform".