Rainer Schmückle Mercedes-Vize als Opel-Chef?

General Motors sucht mit Hochdruck nach einem deutschen Chef für die Tochter Opel, doch wird das Signal dort gut ankommen? Der als harter Sanierer bekannte Mercedes-Vize Rainer Schmückle gilt als Favorit. Die Europäische Union versucht derweil den Subventionswettlauf der Opel-Standorte zu bremsen.

Hamburg - Das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL berichtet, General Motors (GM) komme mit der Suche nach einem neuen Opel-Chef voran. Der für den Übergang eingesetzte Europachef des Autokonzerns, Nick Reilly, habe Kandidaten gefunden, hieß es in einem Vorabbericht vom Samstag. Als Favorit gelte der stellvertretende Chef von Mercedes-Benz, Rainer Schmückle.

Die Personalie zeigt einerseits, dass GM das Versprechen an Belegschaft und deutsche Steuerzahler einlösen will, der mit Staatshilfe vor der Pleite bewahrten Tochter Opel mehr Eigenständigkeit zu gewähren. Vor allem die Beschäftigten hatten heftig kritisiert, dass die Detroiter Zentrale zunächst den britischen GM-Manager Reilly einsetzte, während der mit dem Rüsselsheimer Betrieb verbundene bisherige Europa-Chef Carl-Peter Forster seinen Hut nahm.

Andererseits steht Schmückle für einen kompromisslosen Sanierungskurs. Der Daimler-Konzern  will mehr als vier Milliarden Euro sparen. Besonders in der Pkw-Sparte Mercedes-Benz, wo Schmückle Regie führt, wurde schon Unmut laut, weil jede einzelne Ausgabe auf den Prüfstand kommt.

Der scheidende EU-Kommissar Günter Verheugen warnte EU-Staaten mit Opel-Fabriken vor Hilfszusagen an GM. Er höre, dass einzelne Länder schon informelle Zusagen an GM gemacht hätten, sagte Verheugen dem SPIEGEL laut Vorabmeldung vom Samstag. "Das finde ich alarmierend." Staatliche Beihilfen seien ein Eingriff in den Wettbewerb und deshalb verboten. Ausnahmen könnten von der EU-Kommission genehmigt werden. Sie dürften nicht daran geknüpft werden, dass Arbeitsplätze an einem bestimmten Ort erhalten würden.

Laut dem Magazin hat Großbritannien Reilly bereits Kreditbürgschaften über 400 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Spanien winke mit 300 bis 400 Millionen und Polen habe Steuererleichterungen angeboten. Belgien habe bis zu 500 Millionen Euro in Aussicht gestellt, damit das Opel-Werk in Antwerpen nicht geschlossen werde. Reilly habe das jedoch abgelehnt. Reilly verhandelt dem Bericht zufolge auch mit Renault  und Nissan  über die gemeinsame Entwicklung und Produktion eines kleinen Lieferwagens.

Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle lehnt weiterhin staatliche Beihilfen für Opel ab. Der FDP-Politiker sagte dem "Hamburger Abendblatt", GM-Chef Fritz Henderson gehe selbst davon aus, dass er die Kosten für die Sanierung selbst tragen könne. Brüderle sagte: "Wir sollten allmählich in die normalen Bahnen der sozialen Marktwirtschaft zurückkehren." Die Rettung eines Unternehmens durch den Staat bedürfe einer sorgfältigen Begründung. "General Motors hat sich entschieden, Opel doch zu behalten. Damit sind alle Zusagen des Bundes, die mit einem Verkauf an Magna  verbunden waren, hinfällig", bekräftigte der FDP-Politiker.

Allerdings kamen aus dem GM-Konzern bis zuletzt widersprüchliche Signale, ob die Amerikaner deutsche Staatshilfe beantragen wollen. Die schriftliche Zusage der Bundesregierung, die versprochenen 4,5 Milliarden Euro seien nicht an Magna und Sberbank  als Opel-Käufer gebunden, gilt als einer der Auslöser der Entscheidung von GM, den geplanten Verkauf abzublasen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ap