HSH Nordbank Zwei Vorstände gefeuert

Aderlass im Vorstand der schwer angeschlagene HSH Nordbank: Jochen Friedrich und Peter Rieck müssen ihre Posten im Vorstand der Landesbank räumen. Friedrich weist Anschuldigungen zurück, er habe die Bank nicht pflichtgemäß geführt.

Hamburg/Kiel - Bei der skandalgeschüttelten HSH Nordbank rollen jetzt Köpfe. Der Aufsichtsrat der Bank feuerte am Dienstag wegen des Verdachts auf Pflichtverletzungen die beiden Vorstände Jochen Friedrich und Peter Rieck. Der Aufsichtsrat habe die Bestellung zu Vorständen widerrufen, teilte die Bank in Hamburg mit.

Aufsichtsratschef Hilmar Kopper sei gebeten worden, beiden die Abberufung mitzuteilen und einen Aufhebungsvertrag zu schließen oder den Anstellungsvertrag aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung zu kündigen. Friedrich wies die Vorwürfe zurück. Die Behauptung, er habe die Bank nicht pflichtgemäß geführt, sei unrichtig.

Auch die Ex-Vorstände Hartmut Strauß und Eckehard Dettinger-Klemm hätten nach einem Rechtsgutachten der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer Pflichtverletzungen begangen. Bei allen soll eingehend geprüft werden, ob die Bank Schadenersatz geltend macht. Die Anwaltskanzlei prüft bereits seit Monaten, ob die Vorstände der Bank ihre Pflichten in der Vergangenheit ordnungsgemäß erfüllt haben. Das Gutachten soll nun den Vorsitzenden der Parlamentarischen Untersuchungsausschüsse des schleswig-holsteinischen Landtags und der Hamburger Bürgerschaft sowie der Hamburger Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt werden, die jeweils für sich nach den Ursachen und Verantwortlichkeiten für die Milliardenverluste des Instituts ermitteln.

Die Bank hatte im Zuge der Finanzkrise im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro eingefahren und ist auch im laufenden Jahr in den roten Zahlen. Nur durch massive Stützungsaktionen der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein sowie Garantien des staatlichen Rettungsfonds Soffin konnte die Zahlungsunfähigkeit der HSH Nordbank abgewendet werden.

Die Bank äußerte sich nicht darüber, welche Pflichtverletzungen die Anwaltskanzlei bei den Vorständen aufgedeckt hat. Eine wesentliche Rolle dürften jedoch die Geschäfte mit den Bezeichnungen "Omega 52" und "Omega 55" spielen. Dabei wurden Risiken aus der Bankbilanz verschoben, obgleich sie real beim Institut blieben. Die Geschäfte zogen Abschreibungen von mehr als 500 Millionen Euro nach sich. Das sind allerdings noch keine endgültigen Verluste.

Rieck gehörte seit 1998 dem Vorstand der Hamburgischen Landesbank an, einem Vorgängerinstitut der HSH Nordbank. Er ist der Schifffahrtsexperte der Bank und zugleich Stellvertreter von Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher. Friedrich wurde erst im Mai 2007 in den Vorstand der HSH Nordbank berufen und arbeitete zuvor für die DZ Bank. Die "Omega"-Geschäfte datieren ebenfalls aus dem Jahr 2007. Friedrich erklärte, Aufsichtsratschef Kopper habe ihm am vergangenen Donnerstag während einer Dienstreise in New York telefonisch mitgeteilt, dass seine Abberufung wegen angeblicher Pflichtverstöße geplant sei.

Nonnenmacher trat am 1. Oktober 2007 in den HSH-Vorstand ein und war eher am Rande mit einem der beiden Geschäfte befasst. Die Anwaltskanzlei kam zu dem Schluss, dass sich der Vorstandschef, der das Vertrauen von Kopper genießt, keiner Pflichtverletzung schuldig gemacht hätte, weil er erst kurz in der Bank war.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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