Freitag, 28. Februar 2020

Fernstudium Heimarbeit für die Karriere

Wenn andere ihren Feierabend genießen, wechseln Fernstudenten ihren Job: Knapp 70.000 Deutsche haben 2008 für ein Fernstudium ihre Freizeit geopfert, immer mehr Menschen pauken zu Hause für einen akademischen Abschluss. Wer seinen Traumtitel erlangen will, muss allerdings sehr diszipliniert sein.

Hagen/Koblenz - Dozenten unterrichten ihre Studenten dabei via Internet, schriftlich und mit Hilfe von Datenträgern. Die elektronische Kommunikation ersetzt das Leben auf dem Campus. "Bestimmte Seminare, Klausuren und natürlich die Prüfungen erfordern allerdings persönliche Anwesenheit", erklärt Susanne Bossemeyer, Sprecherin der Fernuniversität Hagen. Prüfungen liegen meist an Wochenenden. Die Teilnehmer reisen dann aus ganz Deutschland an.

Vor allem Wiwis: BWL ist das beliebteste Fach unter den Fernstudiengängen
Zahlreiche Hochschulen bieten angesichts der steigenden Nachfrage Fernstudiengänge an, die zum Bachelor und Master führen. "Dazu müssen die Studierenden bis zu 20 Stunden pro Woche aufwenden", kalkuliert Margot Klinkner von der Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH) in Koblenz.

Neu ist das Konzept nicht: Fernlernen gab es schon Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Berliner Sprachlehrer und Verlagsbuchhändler Gustav Langenscheidt "Korrespondenzbriefe" für Französisch anbot. Heute bieten entsprechende Institute breit gefächerte Lehrpläne. Darunter finden sich aber keine Studiengänge wie Medizin, die eine permanente Präsenz erfordern.

Für die Kurse gibt es gesetzliche Auflagen: "Fernlehrkurse müssen ein Zulassungssiegel tragen", erläutert Ludwig Pelzer von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht in Köln (ZFU), die ein solches Siegel vergibt. Eine Ausnahme gilt lediglich für Kurse, die nur der Freizeitgestaltung oder der Unterhaltung dienen.

Der Begriff Fernunterricht steht für alle Gebiete der Aus- und Weiterbildung. Ein Fernstudium bezeichnet Lernen auf akademischer Ebene - so, als ginge man täglich zu den Vorlesungen in die Hochschule. Ein Vorteil dabei sei, dass man neben dem Beruf studieren kann, erläutert Bossemeyer. Sogar ein Doktortitel lasse sich auf diese Weise erlangen.

Wie bei den meisten Fernhochschulen liegt in Hagen der Schwerpunkt auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften. "An dieser Fakultät sind 40 Prozent der Studierenden immatrikuliert", erklärt Bossemeyer. Ganz auf den Bereich Wirtschaft konzentriert sich die 2003 gegründete private Europäische Fernhochschule Hamburg. Laut Sprecher Jens Heickmann beträgt die Regelstudienzeit etwa für einen Bachelor im Fach Europäische Betriebswirtschaftslehre 36 Monate. Dem liege eine durchschnittliche Lernzeit von 15 Stunden in der Woche zugrunde.

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