Tui Dietmar Kuhnt ist neuer Aufsichtsratschef

Der ehemalige RWE-Lenker Dietmar Kuhnt ist neuer Aufsichtsratschef des Touristikkonzerns Tui. Der 72-Jährige löst mit sofortiger Wirkung Jürgen Krumnow ab. Krumnow, der lange Jahre Vorstand der Deutschen Bank war, legt sein Amt aus persönlichen Gründen nieder.

Hannover -Wechsel an der Spitze des Tui-Aufsichtsrats: Jürgen Krumnow hat sein Mandat als Vorsitzender des Aufsichtsrats von Tui  aus persönlichen Gründen mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Krumnow wird Ende Dezember 2009 aus dem Aufsichtsrat ausscheiden, teilte Tui am Mittwoch mit.

Gleichzeitig hat der Aufsichtsrat in seiner Sitzung Dietmar Kuhnt zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. Kuhnt ist seit November 1996 Mitglied des Aufsichtsrats des Tui-Kontrollgremiums. Zum neuen Vorsitzenden des Prüfungsausschusses, der bisher von Kuhnt geleitet wurde, wählte der Aufsichtsrat Peter Barrenstein.

Der aus dem schlesischen Grünberg stammende Manager Krumnow war vor fast genau fünf Jahren an die Spitze des Aufsichtsrates des größten Pauschalreise-Unternehmens Europas gewählt worden. Von 1988 bis 1999 war er Mitglied im Vorstand der Deutschen Bank . Im November 2004 übernahm er den Vorsitz des Aufsichtsrats.

Krumnow stand in den vergangenen Jahren der streitbare Tui-Großaktionär John Fredriksen gegenüber. Der Norweger scheiterte zuletzt im Mai dieses Jahres in der Hauptversammlung mit seinem Antrag auf Abwahl des Aufsichtsratschefs. Er wollte selbst gemeinsam mit seinem Vertrauten Olav Troim in den Aufsichtsrat einziehen. Troim hatte die Unternehmensführung scharf kritisiert. Er schätzte die wirtschaftliche Situation des Tui-Konzerns als bedrohlich ein.

Krumnow trat öffentlich bei den Debatten kaum in Erscheinung. Auf die Angriffe gegen ihn reagierte er praktisch nicht. Kritiker warfen ihm vor, er habe Tui-Vorstandschef Michael Frenzel zu nahe gestanden und habe dessen Vorschläge nur abgenickt.

Wandelanleihe: Schulden werden gestreckt

Der Reisekonzern ächzte auch in diesem Jahr unter seiner verbliebenen Beteiligung an der Container-Reederei Hapag-Lloyd. Außerdem kämpft der Konzern mit einem wegen der Wirtschaftskrise schleppenden Reisegeschäft. Für das Geschäftsjahr 2009 rechnet Tui wegen des hohen Erlöses aus dem Hapag-Lloyd-Verkauf aber weiter mit einem positiven Ergebnis. Der Gewinn im Kerngeschäft Touristik werde allerdings leicht unter dem Vorjahresniveau liegen, teilte der weltgrößte Anbieter von Pauschalreisen mit.

Aus der Hapag-Lloyd-Beteiligung seien negative Ergebnisbeiträge zu erwarten, hieß es. "Der Vorstand rechnet allerdings damit, dass das Ergebnis der Hapag-Lloyd besser ausfallen wird als zunächst erwartet". Grund sei neben der Stabilisierung der Frachtraten das rund 1,1 Milliarden US-Dollar schwere Sparprogramm bei der Reederei. Seine Bilanz will der Tui-Konzern im Dezember vorlegen.

250 Millionen Euro frisches Geld

Tui hatte sich Ende März von der Mehrheit an Hapag-Lloyd getrennt und dabei einen Sondererlös von rund einer Milliarde Euro verbucht. Der Reisekonzern musste jedoch 43 Prozent Anteile behalten und ist damit weiterhin größter Einzelaktionär der Reederei. Hapag-Lloyd war wegen der Wirtschaftskrise in schweres Fahrwasser geraten. Neben Gewährung einer Staatsbürgschaft über 1,2 Milliarden Euro sprangen die Anteilseigner der Reederei mehrfach mit Finanzspritzen beiseite.

Um sich finanziellen Spielraum zu verschaffen, will Tui nun eine Wandelanleihe ausgeben, die 250 Millionen Euro einbringen und über fünf Jahre laufen soll. Damit will der Konzern die Tilgung seiner Schulden über einen längeren Zeitraum strecken. Die Zahl der Tui-Aktien könnte durch die Wandelanleihe um mehr als 15 Prozent steigen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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