Ex-Infineon-Chef Schumacher muss zahlen

Der Strafprozess gegen Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher vor dem Landgericht München ist gegen eine Geldauflage vorläufig eingestellt worden. Schumacher muss 200.000 Euro zahlen.

München - Das Verfahren gegen den ehemaligen Infineon-Chef Ulrich Schumacher wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr wird gegen eine Zahlung von 200.000 Euro vorläufig eingestellt. Hierauf einigten sich seine Verteidiger und die Staatsanwaltschaft am Mittwoch vor dem Münchner Landgericht, wie beide Parteien bekanntgaben.

Bereits am Montag war laut Staatsanwaltschaft über eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage beraten worden. Die Vorwürfe der Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr, der Untreue und des versuchten Prozessbetrugs seien nicht nachweisbar gewesen, begründete der Vorsitzende Richter Peter Noll die Entscheidung am Mittwoch. Es bleibe lediglich der Vorwurf der Steuerhinterziehung, für den die Geldauflage verhängt worden sei.

In der vergangenen Woche hatte Noll gesagt, dass eine Verurteilung wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr "derzeit wenig wahrscheinlich" sei. Auch die Schumacher zur Last gelegte Steuerhinterziehung würde wohl zu einem großen Teil wegfallen.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem 51-Jährigen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr in acht Fällen, Untreue, versuchten Betrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Für mehrere 100.000 Euro soll er der Firma BF Consulting, die das Sportsponsoring des Halbleiterherstellers Infineon  abwickelte, dauerhaft Aufträge gesichert haben, so der Vorwurf. Zudem habe der BF-Geschäftsführer Udo Schneider für Schumacher und mehrere Kollegen private Autorennen organisiert und deren Kosten übernommen.

Hauptbelastungszeuge der Anklage in dem Verfahren war Schneider, der selbst Zahlungen eingeräumt und deshalb auch im Gefängnis gesessen hatte, doch gab es Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit. Allein aufgrund der Aussagen des Belastungszeugen Schneider sei keine Verurteilung möglich gewesen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Barbara Stockinger.

Schneider hatte Schumacher mit seiner Aussage Mitte September belastet, sich dabei aber selbst immer wieder in Widersprüche verstrickt. So konnte er sich beispielsweise nicht mehr an die genauen Summen und Orte der angeblichen Geldübergaben erinnern. "Schneider war nicht glaubhaft genug, als dass man darauf eine Verurteilung gründen könnte", kommentierte Stockinger die Entscheidung des Richters. "Das heißt aber nicht, dass das Gericht Herrn Schumacher geglaubt hat." Rechtskräftig wird die Entscheidung, wenn Schumacher die Geldauflage gezahlt hat. Gegen die Entscheidung sind keine Rechtsmittel möglich.

Infineon kündigte an, den Rechtsstreit um Schumachers ausstehende Abfindung von 2,6 Millionen Euro unter die Lupe zu nehmen. "Wir prüfen die zivilrechtliche Seite", sagte ein Konzernsprecher. Das Unternehmen verweigert seinem früheren Vorstandschef bislang die zweite Hälfte der einst vereinbarten Abfindung und begründet dies mit falsch abgerechneten Spesen Schumachers.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ddp

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