Softwarebranche Microsoft verblüfft die Konkurrenz

Nach langer Krise kämpft sich Microsoft zurück an die Spitze der Technologiebranche. Unter dem Druck der Konkurrenten Apple und Google legte der US-Softwareriese einen Tag nach der Einführung seines neuen Betriebssystems Windows 7 für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres ein Ergebnis vor, das Experten und Konkurrenten verblüffte.

New York - "Das vierte Quartal unseres Geschäftsjahres 2009 könnte gut der Tiefpunkt der wirtschaftlichen Bereinigung gewesen sein", sagte Finanzchef Christopher Liddell am Freitag. "Wir erwarten keine heftige Wende, aber wir glauben, dass wir wieder höhere Unternehmensausgaben erleben werden, ganz sicher zum Auftakt des neuen Jahres."

Der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft  hat im ersten Quartal einen Gewinn von 3,57 Milliarden Dollar oder 40 Cent je Aktie verzeichnet. Das ist im Vergleich zum Vorjahr zwar ein Rückgang von 18 Prozent. Allerdings hatten Branchenkenner einen höheren Rückgang erwartet und mit einem Überschuss je Anteilsschein von 32 Cent gerechnet.

Mit Geschäftskunden erzielt Microsoft die größten Margen, zudem herrscht dort nach dem Fehlschlag des Windows-7-Vorgängers Vistas Nachholbedarf. Der Konzern stützt sich dabei nicht zuletzt auf deutsche Großunternehmen. Mehr als 50 Prozent der Dax-Konzerne sollen demnach "größtes Interesse" an einer Aufrüstung angemeldet haben.

"Microsoft ist zurück", stellte Branchenexpertin Katherine Egbert fest. "Sie waren trotz Apples Zugewinn an Marktanteilen und der großen Marke Google erfolgreich. Das Ergebnis ist unglaublich. Das ist der Hammer."

Der Aktienkurs  des Konzerns schnellte zeitweise mit 7 Prozent so stark nach oben, wie seit einem halben Jahr nicht mehr, und notierte so hoch wie zuletzt im Juni 2008. Microsoft galt lange als der kranke Mann der Branche, dem man die goldenen Zeiten des Beinahe-Monopols seines Betriebssystems kaum mehr ansah. Diesmal reihte sich der Konzern aber unter die Gewinner ein.

Wie schon Apple erwirtschaftete Microsoft in den drei Monaten bis Ende September einen überraschend hohen Gewinn. Dazu trugen vor allem die leichte Erholung auf dem PC-Markt und eine trotz der Wirtschaftskrise starke Nachfrage nach der Spielekonsole Xbox bei. Microsoft profitiert als Hauptlieferant von Betriebssystemen direkt vom PC-Verkauf, der nach zwei Quartalen mit Rückgängen diesmal um zwei Prozent zunahm.

"Das ist ein Trend", sagte Branchenspezialist Brendan Barnicle. "Da kriegen sie einen ganz guten Rückenwind und das wird sich jetzt mit Windows 7 verstärken." Die gesamte Branche hofft darauf, dass das neue Betriebssystem den PC-Verkauf im kommenden Jahr antreibt und dem Markt damit lange vermisste Impulse gibt.

Windows beherrscht den Markt für Betriebssysteme mit einem Anteil von weltweit gut 95 Prozent. Microsoft bekommt aber zunehmend Konkurrenz vor allem vom US-Rivalen Apple. Im Geschäft mit der Internetsuche liegt Microsoft trotz seiner neuen Suchmaschine Bing und einer geplanten Allianz mit Yahoo weit hinter Platzhirsch Google  zurück.

manager-magazin.de mit Material von ap und reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.