Schumacher-Prozess Beweise genügen nicht

Überraschende Wende im Prozess gegen den früheren Infineon-Chef Ulrich Schumacher. Das Landgericht München hält eine Verurteilung Schumachers wegen Bestechlichkeit inzwischen für unwahrscheinlich. Der Hauptvorwurf verlöre damit an Bedeutung.

München - Bei der Sitzung am Mittwoch habe der Vorsitzende Richter Peter Noll deutlich gemacht, dass die derzeitige Beweislage für eine Verurteilung wahrscheinlich nicht ausreiche, sagte eine Gerichtssprecherin. Dabei handele es sich aber lediglich um einen Zwischenstand, eine Entscheidung sei damit nicht getroffen. Zudem habe die Strafkammer bei der Staatsanwaltschaft angeregt, den Vorwurf der Untreue fallen zu lassen, da sich die Anklage hier nur auf eine einzige Zeugin stützen könne. Der Prozess solle am Donnerstag planmäßig mit der Befragung weiterer Zeugen fortgesetzt werden.

Schumacher muss sich wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr, Untreue, versuchten Betrugs und Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hatte dem 51-Jährigen vorgeworfen, in den Jahren 2000 bis 2003 Geld von dem damaligen Sponsorenvermittler Udo Schneider angenommen zu haben, um damit die Teilnahme an privaten Autorennen zu finanzieren. Der Manager selbst hatte zum Prozessauftakt alle Vorwürfe von sich gewiesen und erklärt: "Ich war und bin nicht käuflich."

Der Sponsorenvermittler Schneider, einst eng befreundet mit Schumacher, will dem früheren Infineon-Chef allein im Jahr 2003 rund 300.000 Dollar zugesteckt haben. Nach eigenen Angaben wollte er mit dem Geld die Geschäftsbeziehungen zu Infineon Technologies am Laufen halten. In seiner Zeugenaussage hatte Schneider die Vorwürfe gegen Schumacher bekräftigt. Dabei gab es Fragen nach Schneiders Glaubwürdigkeit. Der einstige Sponsorenvermittler hatte 2006 in seinem eigenen Prozess Zahlungen gestanden und deshalb auch im Gefängnis gesessen

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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