Meineid Ex-Daimler-Manager verurteilt

Wegen Meineids hat das Amtsgericht Stuttgart einen früheren Topmanager von Mercedes-Benz zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten und einer Geldbuße verurteilt. Die Verteidigung will das Urteil nicht akzeptieren und kündigte Berufung an.

Stuttgart - Der ehemalige Deutschlandvertriebschef von Mercedes-Benz, Jürgen Fahr, habe bei einem Prozess im Jahre 2002 um sogenannte Graumarktgeschäfte bewusst die Unwahrheit gesagt, sagte der Vorsitzende Richter Gerhard Gauch am Mittwoch. "Es war bei Daimler bekannt und geduldet, dass Mengenrabattkunden Fahrzeuge bekommen und sie vor Ablauf der Haltefrist weiter veräußern", sagte der Richter. Diesen Fakt habe Fahr dem Landgericht Stuttgart in dem Prozess vor sieben Jahren als Zeuge verschwiegen und damit einen Meineid geleistet.

Bei Graumarktgeschäften werden Fahrzeuge von Herstellern - entgegen EU-Bestimmungen - am offiziellen Vertriebsnetz vorbei verkauft, um die Absatzzahlen aufzubessern.

Das Stuttgarter Amtsgericht blieb mit seinem nach zwei Verhandlungstagen gefällten Urteil unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die fünfzehn Monate auf Bewährung gefordert hatte.

Fahr hatte zunächst die Anklage zurückgewiesen und einen Meineid bestritten. In einem Teilgeständnis räumte der 61-jährige später ein, noch vor dem Zeitpunkt des damaligen Prozesses von den Graumarktgeschäften erfahren zu haben. Diese Geschäfte hätten aber nur einen geringen Anteil am Fahrzeugabsatz gehabt.

So hätten sich zum Beispiel Kunden, die Mengenrabatt für den Kauf mehrerer Autos bekommen hätten, zum Teil nicht an die Vereinbarung gehalten, das Fahrzeug frühestens nach sechs Monaten weiterzuverkaufen. Diesen Verstößen sei der Autobauer aber nachgegangen und habe nach vorheriger Abmahnung auch Verträge mit solchen Kunden gekündigt. Insgesamt seien damals pro Jahr rund 6000 Autos auf den Graumarkt geraten. Das seien etwa 1,5 Prozent der jährlich rund 400.000 verkauften Fahrzeuge von Daimler gewesen.

6000 Autos gingen jährlich in den Graumarkt

Die Verteidiger des Angeklagten plädierten auf Freispruch und kündigten nach Bekanntgabe des Urteils Berufung an. Gegen den Manager wurde vom Gericht zudem eine Geldbuße in Höhe von 10.000 Euro verhängt. Meineide können mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden.

Daimler hatte sich Ende 2005 von dem damaligen Vertriebsmanager Fahr getrennt, da das Unternehmen ihn mit Unregelmäßigkeiten in Verbindung brachte. Nach seinem Ausscheiden wurden bei dem Stuttgarter Autobauer eine ganze Reihe von Fällen offenbar, in denen Mitarbeitern fingierte Abrechnungen vorgelegt und Schmiergelder gezahlt hatten oder in andere Betrügereien verwickelt waren. Fahr war von Daimler zunächst fristlos entlassen worden, schied aber schließlich nach einem außergerichtlichen Vergleich mit einer Abfindung aus dem Unternehmen aus.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen