Japan Post-Chef Nishikawa kündigt Rücktritt an

Die Privatisierung der japanischen Post war eigentlich beschlossene Sache. Doch die neue japanische Regierung unter Führung von Yukio Hatoyama beschloss einen Privatisierungsstopp, deren erstes Opfer nun der Chef der Japan Post Holdings ist. Weitere Vorstände werden zum Ende des Monats folgen.

Tokio - Yoshifumi Nishikawa, Chef der japanischen Postholding, wird zum 28. Oktober formell zurücktreten, teilte Nishikawa selbst am Dienstag mit. Sein Rücktritt wird als Protest gegen den Privatisierungsstopp der neuen japanischen Regierung gewertet. Der Post-Chef und frühere Chef der Sumitomo Mitsui Banking Group galt als Garant für die Privatisierungspläne der japanischen Post.

Nishikawas Nachfolger wird der frühere Finanzminister Jiro Saito. Dem 73-jährigen Präsidenten der Tokyo Financial Exchange wurde die Position in der Nacht zum Mittwoch angeboten, teilte Postreformminister Shizuka Kamei am Mittwoch mit. Kamei hatte auch Nishikawas Vorstandskollegen aufgefordert bis Ende des Monats ihr Amt niederzulegen.

Das japanische Kabinett hatte vor rund einem Monat einen Kurswechsel angekündigt und am Dienstag offiziell beschlossen, die Privatisierung der Post wieder rückgängig machen. Dieser Beschluss soll noch binnen Jahresfrist vom Parlament genehmigt werden. Die Vorgängerregierung von Ex-Ministerpräsident Junichiro Koizumi hatte die Privatisierung der Post zum Hauptanliegen gemacht und den Prozess im Jahr 2007 eingeleitet. Die Geschäftsbereiche Schalterdienste, Postdienste, Postbank und Postversicherung sollten in Aktiengesellschaften umgewandelt werden, die von 2010 an die Börse gebracht werden sollten.

Die neue japanische Regierung unter Führung der Demokratischen Partei Japans (DPJ) begründet ihre Kehrtwende nun mit dem Erhalt der Postämter in den Dörfern auf dem Land. Viele ältere Japaner holen am Postschalter ihre Rente ab. Eine Einschränkung der Dienste habe zu einer ungleichen Entwicklung zwischen Land und Stadt beigetragen, argumentiert die Regierung des neuen Ministerpräsidenten Yukio Hatoyama. Nun wird nach dem Willen der DPJ die Post wieder umstrukturiert. So sollen einheitliche Dienstleistungen im Post-, Bank- und Versicherungsgeschäft angeboten werden.

Nishikawa sagte in einer ersten Reaktion auf die Kabinettsbeschlüsse, es sei für ihn nicht angebracht, das Amt weiter auszuüben. Es gebe eine erhebliche Kluft zwischen dem, was schon in der Privatisierung der Japan Post Group geleistet wurde und der neuen Regierungspolitik, so Nishikawa.

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