Gehaltsreport 2009 Gehaltswüste Ost

Der mm-Gehaltsreport beweist: Ostdeutsche Manager werden schlechter bezahlt, sind unzufriedener und blicken pessimistischer in die Zukunft als ihre Kollegen im Westen. Bei Toppositionen spielt der Einsatzort allerdings keine Rolle mehr für die Höhe des Salärs.
Von Anne Spies
Keine blühenden Landschaften: Die Gehaltsunterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern sind gravierend

Keine blühenden Landschaften: Die Gehaltsunterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern sind gravierend

Foto: Corbis

In der Mitte Deutschlands prallen die Gehaltsfronten scharf aufeinander: Zwischen Hessen und dem benachbarten Thüringen beträgt der Gehaltsunterschied satte 40 Prozent. Das ist ein Ergebnis des exklusiven Gehaltsreports von manager magazin.

Mit einem Jahresdurchschnittsgehalt von 91.000 Euro liegen hessische Manager bundesweit an der Spitze - vor den Bayern mit 85.000 Euro. Eine Führungskraft in Thüringen erhält dagegen nur 54.000 Euro. Kaum verwunderlich, dass die Mehrheit der Thüringer mit ihrem Gehalt nicht zufrieden ist. 40 Prozent der Führungskräfte klagen, dass ihr Gehalt unter dem Branchendurchschnitt liege.

Für Zufriedenheit ist jedoch offenbar nicht allein die Höhe des Gehalts ausschlaggebend. Hier landen die Saarländer vorne, obwohl sie mit 72.000 Euro im Jahr allenfalls im Mittelfeld liegen. Das Gehaltsgefälle erstreckt sich nicht nur von West nach Ost, sondern auch von Nord nach Süd. Von Bayern bis nach Schleswig-Holstein beträgt das Gehaltsgefälle 7000 Euro - von Hessen bis Bremen sind es sogar 20.000 Euro.

Die Schroffheit der Gehaltslandschaft ist ein Abbild der Unternehmensstruktur in den Bundesländern. Während in Hessen über die Hälfte der leitenden Angestellten in gut zahlenden Großbetrieben arbeitet, sind es in Thüringen nur gut ein Drittel. Von den Dax-Konzernen hat keiner seinen Sitz im Osten. Dagegen verteilen sich 24 der 30 Dax-Unternehmen auf Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Die zwölf größten ostdeutschen Unternehmen sind entweder regionale Energieversorger oder Produktionsstätten größerer Konzerne.

Neben niedrigeren Lebenshaltungskosten ist die ungleiche Verteilung der Unternehmen wohl der Hauptgrund für die geringeren Durchschnittslöhne. Große Firmen mit mehreren deutschen Standorten zahlen Führungskräften nämlich in der Regel das Gleiche - egal ob sie in München, Essen oder Jena arbeiten.

Geringes Regionalgefälle bei Topgehältern

"Regionale Unterschiede spielen ab dem mittleren Management keine Rolle mehr", bestätigt auch Roman Sauermann, Headhunter und Partner der Münchener Personalberatung Civitas International. Bei den Teilnehmern der mm-Umfrage mit mehr als 100.000 Euro Jahreseinkommen war dementsprechend kein Gehaltsgefälle mehr auszumachen.

Ängstliche Anhaltiner, optimistische Hamburger

Im Großen und Ganzen blicken die ostdeutschen Manager trotzdem pessimistischer in die Zukunft als ihre westdeutschen Kollegen. Besonders Schwarz sehen Führungskräfte aus Sachsen-Anhalt. Rund ein Viertel der Arbeitnehmer erwartet stagnierende Gehälter, nur jeder zehnte erwartet in den kommenden fünf Jahren Gehaltszuwächse über 20 Prozent.

In Hamburg rechnet dagegen jeder Vierte mit über 20 Prozent mehr Gehalt. Der Optimismus der Hamburger ist nicht unbegründet: In den vergangenen fünf Jahren konnte sich die Hälfte der leitenden Angestellten in der Hansestadt über derart hohe Zuwächse freuen - in Sachsen-Anhalt nur ein Viertel.

Allerdings haben die Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern auch weniger stark unter der Krise gelitten: Während in Baden-Württemberg jede vierte Führungskraft Kürzungen hinnehmen musste, war in Sachsen nur jede achte betroffen. Das liegt vor allem daran, dass im Osten häufiger Fixgehälter vereinbart werden. Während in Hessen nur 29 Prozent der Führungskräfte ein erfolgsunabhängiges Gehalt beziehen, sind es in Mecklenburg-Vorpommern 55 Prozent.

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