Mittwoch, 1. April 2020

Gehaltsreport 2009 Arme Managerinnen

Sie sind gut ausgebildet, steigen auf und tragen Verantwortung für Budget und Mitarbeiter. Viele Managerinnen sind genauso erfolgreich wie ihre männlichen Kollegen. Trotzdem werden sie schlechter bezahlt. Die Gehaltsdiskriminierung ist jedoch nicht in allen Branchen gleich stark.

Ein Managertitel allein schützt nicht vor Diskriminierung: Auch Frauen, die bereits oben angekommen sind, verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen - im Durchschnitt 28 Prozent.
Corbis
Ein Managertitel allein schützt nicht vor Diskriminierung: Auch Frauen, die bereits oben angekommen sind, verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen - im Durchschnitt 28 Prozent.

Es gibt viele Erklärungsversuche, warum Frauen es seltener in die obersten Führungsetagen schaffen: Sie arbeiten seltener Vollzeit, sie unterbrechen ihre Karriere zwecks Familiengründung und studieren das Falsche. Der Gehaltsreport 2009 des manager magazins zeigt jedoch: Auch Frauen, die bereits oben angekommen sind verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen - im Durchschnitt 28 Prozent. Im oberen Management ist der Gehaltsunterschied mit 30 Prozent sogar noch etwas größer.

Struktur des Jahresgehalts, Tätigkeitsfelder
Leitende Angestellte Durch-
schnitts-
gehalt
100% fix Bis 10% variabel Mehr als 10% bis 20% variabel Mehr als 20% bis 30% variabel Mehr als 30% variabel
Buchhaltung, Controlling 82.000 31% 29% 25% 10% 5%
Category Management 81.000 43% 24% 16% 10% 7%
Consulting 97.000 14% 17% 28% 22% 20%
EDV/IT 79.000 32% 25% 26% 12% 5%
Einkauf 80.000 35% 26% 25% 10% 4%
Fertigung/ Produktion 77.000 40% 26% 21% 9% 4%
Forschung und Entwicklung 82.000 34% 30% 24% 8% 4%
Kaufmännischer Bereich 88.000 35% 34% 21% 13% 9%
Konstruktion, Design 65.000 58% 22% 15% 4% 2%
Logistik 71.000 40% 28% 21% 8% 3%
Marketing, Werbung, Marktforschung 76.000 40% 27% 22% 7% 4%
Personal, HR 73.000 34% 25% 24% 11% 6%
PR, Kommunikation 68.000 55% 22% 16% 4% 3%
Technik 74.000 42% 27% 20% 8% 3%
Vertrieb 88.000 23% 19% 23% 16% 18%
Recht 87.000 37% 24% 21% 12% 7%
Quelle: mm-Gehaltsreport 2009. Online-Umfrage im Juli/August, 91.000 Teilnehmer

Ein Managertitel allein schützt also nicht vor Diskriminierung. Annähernd gleich behandelt werden nur die absoluten Topleute mit einem Jahresgehalt von 100.000 Euro und mehr. Jenseits dieser Grenze schmilzt der Gehaltsunterschied auf 7 Prozent. In diesen Sphären bewegen sich allerdings nur 17 Prozent der weiblichen Führungskräfte. Bei den männlichen Managern ist es fast die Hälfte.

Mehr zum Thema in: manager magazin 10/2009

Gehaltsreport
Der mm-Gehaltsreport zeigt, wer von der Krise besonders betroffen ist, welche Branchen am besten zahlen – und was Manager wirklich verdienen. Lesen Sie mehr im aktuellen manager magazin, Heft 10/2009, ab Seite 109.

Einen großen Einfluss auf das Ausmaß der Diskriminierung hat die Berufswahl. In typischen Männerdomänen wie IT und Technik ist der Gehaltsunterschied weniger ausgeprägt. Eine EDV-Expertin beispielsweise verdient "nur" 14 Prozent weniger als ihr männlicher Kollege. Im frauendominierten kaufmännischen Bereich sind es satte 34 Prozent. Dieser Zusammenhang gilt auch für Branchen. So bekommen Frauen im Maschinen und Anlagenbau knapp ein Fünftel weniger, im Kultur- und Unterhaltungssektor dagegen ein Viertel.

Völlig klar, dass Frauen sich ungerecht behandelt fühlen: Weniger als die Hälfte der befragten Managerinnen zeigte sich mit dem eigenen Gehalt zufrieden. Bei den Männern waren es dagegen zwei Drittel. 12 Prozent der Frauen klagen, dass Kollegen mehr verdienen, ein Viertel sieht sich unter dem Branchendurchschnitt. Dementsprechend hält nur jede zehnte Frau die Kriterien der Vergütung für nachvollziehbar und fair. Bei den männlichen Führungskräften ist es immerhin jeder Fünfte.

Hoffnung auf eine Annäherung der Geschlechter gibt der Gehaltsreport nicht. Im Gegenteil: In den vergangenen fünf Jahren sind Frauengehälter weniger stark gestiegen als die der Männer. So konnten sich fast 45 Prozent der männlichen Führungskräfte über Gehaltssteigerungen von mehr als 20 Prozent freuen, bei den Managerinnen waren es nur 35 Prozent. Bei jeder zehnten Frau stagnierte das Gehalt.

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