Gehaltsreport 2009 Arme Managerinnen

Sie sind gut ausgebildet, steigen auf und tragen Verantwortung für Budget und Mitarbeiter. Viele Managerinnen sind genauso erfolgreich wie ihre männlichen Kollegen. Trotzdem werden sie schlechter bezahlt. Die Gehaltsdiskriminierung ist jedoch nicht in allen Branchen gleich stark.
Von Anne Spies
Ein Managertitel allein schützt nicht vor Diskriminierung: Auch Frauen, die bereits oben angekommen sind, verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen - im Durchschnitt 28 Prozent.

Ein Managertitel allein schützt nicht vor Diskriminierung: Auch Frauen, die bereits oben angekommen sind, verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen - im Durchschnitt 28 Prozent.

Foto: Corbis

Es gibt viele Erklärungsversuche, warum Frauen es seltener in die obersten Führungsetagen schaffen: Sie arbeiten seltener Vollzeit, sie unterbrechen ihre Karriere zwecks Familiengründung und studieren das Falsche. Der Gehaltsreport 2009 des manager magazins zeigt jedoch: Auch Frauen, die bereits oben angekommen sind verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen - im Durchschnitt 28 Prozent. Im oberen Management ist der Gehaltsunterschied mit 30 Prozent sogar noch etwas größer.

Struktur des Jahresgehalts, Tätigkeitsfelder

Leitende Angestellte Durch-schnitts-gehalt 100% fix Bis 10% variabel Mehr als 10% bis 20% variabel Mehr als 20% bis 30% variabel Mehr als 30% variabel
Buchhaltung, Controlling 82.000 31% 29% 25% 10% 5%
Category Management 81.000 43% 24% 16% 10% 7%
Consulting 97.000 14% 17% 28% 22% 20%
EDV/IT 79.000 32% 25% 26% 12% 5%
Einkauf 80.000 35% 26% 25% 10% 4%
Fertigung/ Produktion 77.000 40% 26% 21% 9% 4%
Forschung und Entwicklung 82.000 34% 30% 24% 8% 4%
Kaufmännischer Bereich 88.000 35% 34% 21% 13% 9%
Konstruktion, Design 65.000 58% 22% 15% 4% 2%
Logistik 71.000 40% 28% 21% 8% 3%
Marketing, Werbung, Marktforschung 76.000 40% 27% 22% 7% 4%
Personal, HR 73.000 34% 25% 24% 11% 6%
PR, Kommunikation 68.000 55% 22% 16% 4% 3%
Technik 74.000 42% 27% 20% 8% 3%
Vertrieb 88.000 23% 19% 23% 16% 18%
Recht 87.000 37% 24% 21% 12% 7%
Quelle: mm-Gehaltsreport 2009. Online-Umfrage im Juli/August, 91.000 Teilnehmer

Ein Managertitel allein schützt also nicht vor Diskriminierung. Annähernd gleich behandelt werden nur die absoluten Topleute mit einem Jahresgehalt von 100.000 Euro und mehr. Jenseits dieser Grenze schmilzt der Gehaltsunterschied auf 7 Prozent. In diesen Sphären bewegen sich allerdings nur 17 Prozent der weiblichen Führungskräfte. Bei den männlichen Managern ist es fast die Hälfte.

Einen großen Einfluss auf das Ausmaß der Diskriminierung hat die Berufswahl. In typischen Männerdomänen wie IT und Technik ist der Gehaltsunterschied weniger ausgeprägt. Eine EDV-Expertin beispielsweise verdient "nur" 14 Prozent weniger als ihr männlicher Kollege. Im frauendominierten kaufmännischen Bereich sind es satte 34 Prozent. Dieser Zusammenhang gilt auch für Branchen. So bekommen Frauen im Maschinen und Anlagenbau knapp ein Fünftel weniger, im Kultur- und Unterhaltungssektor dagegen ein Viertel.

Völlig klar, dass Frauen sich ungerecht behandelt fühlen: Weniger als die Hälfte der befragten Managerinnen zeigte sich mit dem eigenen Gehalt zufrieden. Bei den Männern waren es dagegen zwei Drittel. 12 Prozent der Frauen klagen, dass Kollegen mehr verdienen, ein Viertel sieht sich unter dem Branchendurchschnitt. Dementsprechend hält nur jede zehnte Frau die Kriterien der Vergütung für nachvollziehbar und fair. Bei den männlichen Führungskräften ist es immerhin jeder Fünfte.

Hoffnung auf eine Annäherung der Geschlechter gibt der Gehaltsreport nicht. Im Gegenteil: In den vergangenen fünf Jahren sind Frauengehälter weniger stark gestiegen als die der Männer. So konnten sich fast 45 Prozent der männlichen Führungskräfte über Gehaltssteigerungen von mehr als 20 Prozent freuen, bei den Managerinnen waren es nur 35 Prozent. Bei jeder zehnten Frau stagnierte das Gehalt.

Managerin ist nicht gleich Manager

Eigentlich dürften Gehaltsunterschiede gar nicht existieren. Wären Managerinnen nämlich tatsächlich billiger, würden Unternehmen nur noch Frauen einstellen, so lautet das häufigste Gegenargument. Ist Managerin also doch nicht gleich Manager? Mehr dazu im nächsten Teil der Serie "Gehaltsreport 2009".

Gehälter leitender Angestellter nach Branchen mit Index (bezieht sich auf die Anzahl Frauen/Männer in der Branche)

Grundgesamtheit:leitende Angestellte, 21.475 Frauen (100) Männer (100)
Automobilindustrie 72.000 (45) 91.000 (110)
Banken und Finanzen 80.000 (85) 108.000 (103)
Bildung und Erziehung 47.000 (212) 57.000 (80)
Chemische Industrie 76.000 (62) 93.000 (107)
Consulting 69.000 (91) 101.000 (102)
EDV 74.000 (45) 84.000 (110)
Einzelhandel 50.000 (134) 78.000 (94)
Energie/Versorger 76.000 (90) 90.000 (102)
Gastronomie 38.000 (190) 49.000 (84)
Gesundheits- und Veterinärwesen 54.000 (147) 81.000 (92)
Großhandel 55.000 (76) 78.000 (104)
Informationstechnologie 68.000 (72) 88.000 (105)
Konsumgüter 78.000 (104) 101.000 (99)
Kultur/Unterhaltung 48.000 (206) 64.000 (81)
Lebensmittel 61.000 (90) 84.000 (102)
Logistik und Versand 65.000 (88) 78.000 (102)
Maschinen- und Anlagenbau 71.000 (41) 88.000 (110)
Medizin-, Mess-, Steuertechnik 69.000 (70) 92.000 (105)
Metallerzeugung und - bearbeitung 72.000 (68) 81.000 (106)
Öffentliche Verwaltung 49.000 (143) 57.000 (92)
Pharmaindustrie 76.000 (116) 101.000 (97)
Rechts- und Steuerberatung 71.000 (198) 87.000 (83)
Telekommunikation 67.000 (79) 91.000 (104)
Textilindustrie 71.000 (184) 85.000 (85)
Verkehr, Luftfahrt 69.000 (73) 89.000 (105)
Verlage/Medien/Werbung/PR 58.000 (163) 76.000 (89)
Quelle: mm-Gehaltsreport 2009. Online-Umfrage im Juli/August, 91.000 Teilnehmer
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