HSH Nordbank Ermittlungen gegen Nonnenmacher

Die fragwürdige HSH-Zahlung von 45 Millionen Dollar an die US-Investmentbank Goldman Sachs hat ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen HSH-Vorstände. Die Bank kontert mit einer Gegenanzeige wegen falscher Verdächtigung.

Hamburg - Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Chef der HSH Nordbank Dirk Nonnenmacher ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet. Hintergrund ist eine Überweisung der Bank von 45 Millionen Dollar an die Investmentbank Goldman Sachs , obwohl Zweifel am Anspruch der Amerikaner bestanden. Wie ein Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft mitteilte, wird auch gegen die HSH-Vorstandsmitglieder Peter Rieck und Jochen Friedrich ermittelt, sowie gegen den Ex-Vorstandschef Hans Berger.

Aus Angst vor negativen Schlagzeilen hatte die Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein die 45 Millionen Dollar überwiesen, ohne dass sie dazu nach Ansicht ihrer Hausjuristen verpflichtet war. Die Bank erklärte selbst, ob der Zahlungsanspruch von Goldman Sachs noch bestand, hätte gerichtlich geklärt werden müssen. Wegen der losbrechenden Finanzkrise sowie des internationalen Liquiditätsengpasses nach der Insolvenz von Lehman Brothers habe die HSH Nordbank sich aber gegen einen Gerichtsprozess entschieden.

Die angeschlagene HSH Nordbank kontert eine Strafanzeige, die das Verfahren auslöste, wegen einer umstrittenen Millionenzahlung mit einer Gegenanzeige. Bei der Staatsanwaltschaft sei eine Anzeige der Bank gegen den Hamburger Rechtsanwalt Gerhard Strate wegen falscher Verdächtigung eingegangen, sagte ein Behördensprecher am Mittwoch. Er bestätigte entsprechende Medienberichte.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt schon seit Monaten in der Bank, aber bisher nicht gegen namentlich benannte Beschuldigte. Die Bank hatte im Jahr 2008 bei Geschäften mit faulen Wertpapieren bis zu 2,8 Milliarden Euro verloren und musste von den Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein mit Milliardengarantien gerettet werden. Die Ermittler haben eine zehnköpfige Arbeitgruppe auf den Fall angesetzt. Wie die Staatsanwaltschaft nun mitteilte, gehen die jüngsten Ermittlungen auf eine Anzeige des Hamburger Rechtsanwaltes Gerhard Strate zurück. Die Anzeige sei "nicht völlig unschlüssig", sagte ein Sprecher.

Wir sind überzeugt, dass die damalige Entscheidung nicht nur formal korrekt, sondern auch unternehmerisch unumgänglich war", teilte die HSH Nordbank am Montag mit. "Wir können die Eröffnung eines Verfahrens gegen die genannten Personen daher nicht nachvollziehen." Nonnenmacher sei zudem an der Entscheidung gar nicht beteiligt gewesen, hieß es. Die Bank habe der Staatsanwaltschaft bereits in der vergangenen Woche Unterlagen zur Verfügung gestellt.

Hintergrund des jüngsten Skandals ist ein Geschäft mit Kreditausfallversicherungen, sogenannten Credit Default Swaps (CDS). Goldman Sachs hatte sich bei der HSH gegen Kreditausfälle der Pleitebank Lehman Brothers versichert. Nach der Lehman-Pleite im September 2008 hätte die Landesbank im Grunde zahlen müssen. Doch Goldman Sachs verpasste eine Frist, wodurch nach Überzeugung von Juristen der Zahlungsanspruch verfiel.

Nach Informationen aus Bankenkreisen hatte der frühere Vorstandschef Hans Berger die Zahlung im Herbst 2008 kurz vor seinem Rücktritt angeordnet. Den Angaben zufolge hatte Goldman Sachs Druck auf die HSH ausgeübt. Berger hatte die Lage der Landesbank im Jahr 2008 noch als problemlos dargestellt, obwohl sich die Finanzkrise bereits durch die Finanzwelt fraß. Im November 2008 musste er nach Bekanntwerden der ersten Verluste zurücktreten.

Die HSH Nordbank fuhr im ersten Halbjahr 2009 einen Nettoverlust von rund 560 Millionen Euro ein. Das Minus für 2008 betrug 2,8 Milliarden Euro. Die Bank musste von Hamburg und Schleswig-Holstein mit einer Kapitalspritze und Milliardenbürgschaften vor dem Untergang bewahrt werden.

manager-magazin.de mit Material von ap

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