Montag, 16. September 2019

Orchideenfächer Erfolgreiche Exoten

2. Teil: In welchen Bereichen Exoten unterkommen

All dies müssen Studenten etwa in Kanadistik mitbringen - schließlich gehört es für sie dazu, sich auf andere Kulturen einzulassen. "Das gibt es gar nicht, dass ein Kanadistik-Student nicht mindestens ein Jahr in Kanada war", erzählt der Professor Rainer-Olaf Schultze, der das Fach an der Universität Augsburg lehrt.

Jachthafen von Vancouver: "Das gibt es gar nicht, dass ein Kanadistik-Student nicht mindestens ein Jahr in Kanada war"
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Jachthafen von Vancouver: "Das gibt es gar nicht, dass ein Kanadistik-Student nicht mindestens ein Jahr in Kanada war"
Ein solcher Austausch ist nicht nur ein persönliches Highlight für die meisten Studenten. Die Erfahrungen zahlen sich später auch im Berufsleben aus: "Die Studierenden haben ein hohes Maß an Motivation", erläutert Schultze. Und die außergewöhnlichen Inhalte machen Studenten zu seltenen Experten. "Davon profitieren die Absolventen - zumal es nicht so viele sind."

Klar sei allerdings auch, dass Endlosstudenten aus Orchideenfächern eher Probleme auf dem Arbeitsmarkt bekommen als andere, sagt Berater Hohensee. "Man muss schon eine Affinität zur freien Wirtschaft mitbringen und sich nach Möglichkeit während des Studiums noch zusätzlich qualifizieren." Dazu bieten sich Praktika oder Kurse in Betriebswirtschaft, Kommunikation oder Marketing an, wie sie häufig an der Uni angeboten werden.

Ins Studium gehören auch Praktika und freie Mitarbeit, sagt Dirk Erfurth, Geschäftsführer des Instituts Student und Arbeitsmarkt, das an der Ludwig-Maximilians-Universität in München angesiedelt ist. Und das nicht nur aus strategischen Gründen oder weil es sich gut im Lebenslauf macht. "Man kann dann in der Praxis prüfen, ob es sich lohnt, was man theoretisch an der Uni lernt - oder auch Betätigungsfelder entdecken", sagt Erfurth. Ein Praktikum sei nicht nur ein "Realitäts-Check", sondern gebe oft auch einen Motivationsschub.

Derzeit arbeiten die meisten Quereinsteiger in der freien Wirtschaft laut Hohensee in drei Sparten - im Marketing, im Personal und in der Kommunikation. Dank des demografischen Wandels erweitern sich die Betätigungsfelder aber. So könne ein vertriebsstarker Geisteswissenschaftler auch als Key Account Manager Erfolg haben, meint Hohensee. "In das Fachliche kann man sich allemal einarbeiten."

Verena Wolff, dpa

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