Ferry Porsche Ein Leben für schnelle Autos

Der Name Porsche steht für Ruhm, Mythos und Marke des Stuttgarter Sportwagenbauers. Ausgerechnet in das Krisenjahr von Porsche fällt der 100. Geburtstag jenes Mannes, der die Sportwagenschmiede nach den Zweiten Weltkrieg aufgebaut hat. Am 19. September wäre Ferry Porsche hundert Jahre alt geworden.

Stuttgart - Seinen legendären Rufnamen erhielt der in der Wiener Neustadt geborene Ferdinand Anton Ernst Porsche von seinem Kindermädchen. Sie nannte ihn als erste "Ferry". Während der Geburt am 19. September 1909 war sein Vater Ferdinand, der berühmte Konstrukteur des VW-Käfers, gar nicht anwesend - er nahm an einem Bergrennen teil.

Die technische Begabung und die Liebe zum Automobil gab der Vater an seinen Sohn weiter. Der Junge saß bereits mit zehn Jahren hinter dem Steuer eines Autos und erhielt mit 16 Jahren per Sondergenehmigung den Führerschein. Eine Universität hat Ferry nie besucht. Nach der Schule machte er ein einjähriges Praktikum bei Bosch. Zur Vorbereitung eines Studiums besuchte er zwar eine Privatschule, doch er verbrachte mehr Zeit in den Konstruktionsbüros und Werkstätten des Vaters als in der Schule.

Ferry war von 1931 an Mitarbeiter des von seinem Vater gegründeten Stuttgarter Konstruktionsbüros. Der Vater war zuvor Vorstandsmitglied und technischer Direktor der Daimler-Motoren AG in Stuttgart-Untertürkheim. Schrittweise übernahm der Junior immer mehr Verantwortung, während sein Vater sich auf den Bau des Volkswagens in Wolfsburg konzentrierte. Sohn Ferry war in das Käfer-Projekt auch mit eingebunden. So leitete er 1934 die Erprobungsfahrten der Volkswagen-Prototypen.

Während des Zweiten Weltkriegs waren die Porsche-Ingenieure überwiegend für Hitlers Rüstungsindustrie tätig. In den Versuchswerkstätten in Stuttgart waren nach Unternehmensangaben rund zwei Dutzend Zwangsarbeiter - unter anderem Mechaniker und Techniker - beschäftigt. Im Herbst 1944 wurde das Konstruktionsbüro von Stuttgart nach Gmünd in Kärnten ausgelagert.

In Österreich wurde 1948 auch der Ur-Porsche entwickelt. Der Porsche 356 gilt als die Keimzelle des Erfolgs. Der Sportwagen wurde von Ferry Porsche konstruiert. In Österreich wurden noch 52 Sportwagen in Handarbeit produziert, im März 1950 wechselte das Unternehmen wieder nach Stuttgart. Insgesamt wurden 78.000 Sportwagen vom Typ 356 hergestellt. Nachfolger des Ur-Porsche wurde der 911-er, der 1963 vorgestellt wurde.

Vom Konstrukteur zum Manager

Durch das von Ferrys Vater gegründete Konstruktionsbüro haben der Sportwagenbauer und Europas größter Autokonzern Volkswagen gemeinsame Wurzeln. Im Jahr 1969 ging Ferry Porsche eine nicht unumstrittene Kooperation mit den Wolfsburgern ein. Mit dem VW-Porsche 914 wollte der Stuttgarter Konzern neue Käuferschichten unterhalb des 911-er gewinnen. Von dem 914-er wurden fast 120.000 Fahrzeuge verkauft.

Ferdinand Porsche stand über zwei Jahrzehnte an der Spitze der Stuttgarter Sportwagenschmiede. 1971 beschlossen die Familien Porsche und Piëch, zukünftig keine Managementposten mehr mit Familienangehörigen zu besetzen. Ein Jahr später wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Ferry Porsche wurde Chef des Aufsichtsrats. Dieses Amt hatte er bis 1990 inne.

Im März 1998 stirbt Ferry Porsche im Alter von 88 Jahren. "All die anderen haben nicht für sich überlebt, alle dienen sie heute den Großen der Branche als Aushängeschild, als Vehikel - das war niemals das, was Ferry Porsche wollte." Mit diesen Worten verabschiedete sich Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ihn in seiner Trauerrede

Mittlerweile ist klar, dass genau dieses Schicksal nun auch die kleine Sportwagenschmiede ereilt: Porsche verliert seine Unabhängigkeit, wird als zehnte Marke in den VW-Konzern integriert und soll in der Luxusklasse zum Zugpferd von Europas größtem Autobauer werden.

Wolfgang Porsche musste die Sportwagenschmiede in den vergangenen Monaten durch turbulente Zeiten führen. "Die Entwicklung, die sich jetzt ergeben hat, ist nicht die einfachste", gibt der Porsche-Aufsichtsratschef offen zu. Mit der geplanten Verschmelzung im Jahr 2011 starten die beiden Hersteller in eine neue Ära ihrer langen gemeinsamen Geschichte.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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