manager-lounge Die Wahl der Manager

Die Bundestagswahl rückt näher, der Kampf um die Stimmen spitzt sich zu. Auch die Mitglieder der manager-lounge diskutieren über mögliche Koalitionen, die Deutschland aus der Krise führen sollen. Eine Umfrage unter den Führungskräften bringt jetzt das erwartet klare Ergebnis. Doch auch über Alternativen wird nachgedacht.

Hamburg - Am 27. September wird gewählt. Doch trotz der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte mit Themen wie Opel-Krise, Karstadt-Insolvenz und Abwrackprämie ist der Wahlkampf flau. Erst seit den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und dem Saarland gewinnt der Parteienwettstreit an Schwung. Sicher ist, dass eine richtungsweisende Wahl bevorsteht.

Denn die Zahl der denkbaren Koalitionen ist groß. Die Mitglieder der manager-lounge diskutierten in den vergangenen Wochen, welcher Parteienzusammenschluss das Land aus der Wirtschaftskrise führen kann. Der Sieger der Umfrage heißt Schwarz-Gelb, 62 Prozent der Teilnehmer bevorzugen eine Koalition von CDU und CSU mit der FDP. Eine klare Mehrheit, bei einer Befragung unter Führungskräften allerdings gewiss keine große Überraschung.

Doch es gibt auch Kritik, zum Beispiel an der eigentlich bei Unternehmern beliebten FDP. "Statt sich endlich wieder als die Partei der wirtschaftlichen Vernunft zu profilieren, verspricht man populistisch Steuersenkungen, ohne gleichzeitig zu sagen, wo dann drastisch Ausgaben gestrichen werden, sodass auch ein Schuldenabbau wieder möglich ist", meint Thomas Maetzel von der Unternehmensberatung Aurel Vest.

Das erfordere natürlich Konfliktbereitschaft: "An jeder Ausgabenposition des Staats hängt eine Lobby und darüber hinaus Wählerpotenzial", weiß der erfahrene Manager. "Da sowieso mindestens 80 Prozent ohnehin die FDP nicht wählen, hätte sie doch am ehesten die Chance, konsequente Einschnitte in den Staatsausgaben zu fordern." Maetzel erwartet trotzdem eine schwarz-gelbe Koalition: "Hoffen wir, dass es der FDP hier gelingt, die CDU wieder etwas aus der sozialistisch-populistischen Ecke zu holen."

Siemens-Manager Christian Voigt setzt dagegen auf eine schwarz-grüne Koalition - bei den Umfrageteilnehmern noch vor der Ampel und auch vor einer Neuauflage der Großen Koalition die zweitbeliebteste Variante. "Auf der Unternehmerseite dominiert zwar nach wie vor der Glaube an Freihandel und ungezügeltes Wachstum - mit der Folge, dass insbesondere Unternehmer nach dem Motto 'weiter so wie in der Vergangenheit' gerne FDP oder CDU/CSU wählen. Möglicherweise halte sich aber auf der Unionsseite noch das simple 'Turnschuh-Partei'-Bild", so Voigt.

"Es fehlen bei den Grünen einige wirklich etablierte, seriös wirkende Parteipolitiker, die das Image eines erfolgreichen Unternehmers ausstrahlen - ich behaupte aber nicht, dass die Grünen unseriös sind", so der Siemens-Manager. "Die Grünen haben nun mal ihre Reputation aus diversen Protestaktionen, die einen Systemwechsel immer begleiten. Der ehemalige Fundi-Realo-Streit tat ein Übriges, ein Bild der Zerrissenheit zu zeichnen und Unwählbarkeit zu suggerieren, was gleichbedeutend ist mit nicht koalitionsfähig im konservativen Lager."

"Ein ziemlich unruhiger Flug"

"Ein ziemlich unruhiger Flug"

"Wir haben im Jahr 2008 das höchste Bruttosozialprodukt gesehen, dass Deutschland je erzeugen konnte. In einzelnen Branchen wird es noch Wachstum geben, nicht jedoch gesamtwirtschaftlich über dieses Niveau hinaus", prophezeit Voigt. Der Grund: Energiemangel und -verknappung. Sobald sich vom gegenwärtigen Niveau aus die Wirtschaft wieder nach oben entwickle, steige der Energiepreis überproportional und würge das Wachstum ab.

Für so ein Szenario habe keine der Parteien ein Konzept - selbst wenn diese ausschließlich inhaltsgetrieben arbeiten würden. "Nur die Grünen ansatzweise - aber ehe diese eine absolute Mehrheit bekämen, müssten mindestens zwei Energieschocks das Land durchrollt haben." Laut Voigt traue sich keine Partei, zu sagen: "Leute, ihr habt die BSP-Spitze gesehen, es wird von nun an jährlich weniger zum Verteilen geben." Der Bevölkerung sei so etwas schonend nicht beizubringen. Für den notwendigen Übergang zu einer Gesellschaft mit deutlich veränderten Konsum- und Wertemustern prophezeit Voigt "einen ziemlich unruhigen Flug".

Kommunikationsberater Wolfgang Griepentrog stimmt Voigt zu - ein durchschlagender Strategiewechsel in der deutschen Politik sei nicht zu erwarten: "Nicht jedoch wegen der Politiker, sondern weil die Wähler mit ihrem Votum respektive ihrem Wahlverhalten drastische Richtungswechsel nicht belohnen." Es liege in der menschlichen Natur, Veränderungen unbequem zu finden und möglichst zu vermeiden. "Das kennen wir auch aus den Restrukturierungsprozessen in Unternehmen. Signifikante Änderungen gibt es erst, wenn es persönlich weh tut", weiß Griepentrog. "Doch die derzeitige Krise tut nicht weh - jedenfalls nicht genug. Und leere Sozialkassen, exorbitante Gesundheitskosten bei Minimalleistungen oder die chronisch vernachlässigte Bildungspolitik auch nicht", meint Griepentrog. "Da die beiden großen Volksparteien heute jeweils ein breites gesellschaftliches Spektrum mit extremen Randpositionen und starker Mitte abbilden müssen, steht bei der Wahl wieder keine Richtungsentscheidung an."

Doch trotzdem solle die grundsätzlich hohe Leistungsfähigkeit des Regierungsapparates anerkannt werden. "Man darf nicht nur die großen Entscheidungen über Bankenrettungen und Opels Zukunft im Blick haben, bei denen eine einfache Bewertung ohnehin nicht möglich ist. Sondern auch die unzähligen Detailleistungen einer international anerkannten Wirtschaftspolitik, einer engagierten verantwortungsbewussten Entwicklungspolitik oder einer zuverlässigen Innenpolitik", so das manager-lounge-Mitglied. Ein Politiker habe nun mal andere Aufgaben und müsse sich andere Entscheidungskriterien zu eigen machen als ein Unternehmer.

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