Schumacher-Prozess "Ich war nicht käuflich"

Mehr als fünf Jahre nach seinem Rücktritt als Infineon-Chef muss sich Ulrich Schumacher nun vor Gericht verantworten. An seinem ersten Prozesstag wies der Hightechmanager die gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe weit von sich.

München - "Ich war und bin nicht käuflich", sagte Ulrich Schumacher am Montag während des ersten Prozesstags vor dem Landgericht München I. In einer Erklärung zum Verfahrensauftakt räumte Schumacher zwar eine Reihe von Fehlern in seiner Zeit als Vorstandschef des damaligen Dax-30-Konzerns Infineon  ein. Der "dümmste" davon sei gewesen, sein privates Hobby Rennsport mit Firmenangelegenheiten zu verquicken. Er habe aber niemals Bestechungsgelder entgegengenommen oder verlangt, erklärte der Angeklagte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51-jährigen Manager vor, in den Jahren 2000 bis 2003 Geld von dem damaligen Sponsorenvermittler Udo Schneider angenommen zu haben, um damit die Teilnahme an privaten Autorennen zu finanzieren. Der Geschäftsmann hatte die Zahlungen in seinem eigenen Prozess 2006 eingeräumt und wurde dafür zu vier Jahren Haft verurteilt.

Auch Schumachers früherer Vorstandskollege Andreas von Zitzewitz gab die Annahme von Schmiergeld zu, das Verfahren gegen ihn wurde gegen Zahlung von 100.000 Euro und eine Bewährungsstrafe von einem Jahr eingestellt.

Schneider sei ein enger Freund von ihm gewesen, den er auch selbst finanziell unterstützt habe, sagte Schumacher. So habe er Schneider für seine Verteidigung seinerzeit ein Darlehen von 400.000 Euro gewährt. Schneiders Anwälte hätten später aber weitere Zahlungen gefordert und dabei durchblicken lassen, dass ihr Mandant andernfalls sein "Aussageverhalten ändern" könnte. Das habe er als "eindeutige Erpressung" gewertet und schließlich abgelehnt.

Schumacher war im März 2004 im Streit mit dem Infineon-Vorstand zurückgetreten. Die Ermittlungen gegen Schumacher liefen seit 2005. Da es im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen bereits Verurteilungen gegen andere Beteiligte gegeben hat, geht die Staatsanwaltschaft von einer Haftstrafe für Schumacher aus.

Für den Prozess sind zunächst 15 Verhandlungstage bis Ende Oktober geplant. Noch einmal so viele weitere Termine wurden, vorsorglich bis in den Januar 2010 hinein vorgemerkt. Schumacher ist derzeit Chef des chinesischen Auftragsfertigers Grace Semiconductor und pendelt zwischen Deutschland und China.

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa

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