Heinz Dürr Ein Schwabe in Berlin

Der ehemalige Bahn-Chef Heinz Dürr ist ein Vorzeigeschwabe, lebt aber in Berlin. Obwohl er noch immer Aufsichtsratschef des Anlagenbauers Dürr mit Sitz in Bietigheim-Bissingen ist, hat der 76-Jährige seinen Lebensmittelpunkt in der deutschen Hauptstadt.

Stuttgart/Berlin - Ab und zu kommt Heinz Dürr noch zu Sitzungen in die Schwabenmetropole. Die Verbindung seinem Lebenswerk Dürr AG , dem Lackierspezialisten für Automobile, zieht den Manager immer mal wieder in den Süden. Der am 16. Juli 1933 in Stuttgart geborene Dürr gehört wohl auch deshalb zu den Vätern des milliardenschweren Bahnprojekts Stuttgart 21, das er immer noch mit Leidenschaft befürwortet.

Dürr war von 1991 bis 1997 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn und dann bis 1999 Chef des Aufsichtsrats. Sein Vertrag als AEG-Chef war im Frühjahr 1989 gerade um fünf Jahre verlängert worden, als er im Oktober überraschend Chef der Deutschen Bundesbahn wurde. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) hatte ihm das Angebot gemacht, Nachfolger von Rainer Gohlke zu werden. Wie immer ging Dürr mit unbeirrbarem Optimismus seine Aufgabe in dem chronisch defizitären Staatsbetrieb an. Landauf, landab verkündete er vor Regierungsmitgliedern und Gewerkschaften sein Credo: "Wir müssen die Bahn zu einem Wirtschaftsbetrieb machen."

Dürr, auch als "Allzweckwaffe" gegen Krisen tituliert, integrierte die DDR-eigene Deutsche Reichsbahn. Erst als der Manager mit Rücktritt drohte, leitete die Bundesregierung eine umfassende Reform und die Umwandlung der Bahn in eine Aktiengesellschaft ein. Ohne Zweifel hat Dürr die Bahn auf die wirtschaftliche Schiene gesetzt. Im Februar 1999 trat er dann dennoch "wegen unterschiedlicher Auffassung" zwischen ihm und dem Bahneigner Bund als Aufsichtsratsvorsitzender zurück.

Einen Namen hatte sich Dürr auch zuvor schon gemacht, als er 1975 als Nachfolger von Hanns-Martin Schleyer den Vorsitz der baden-württembergischen Metallarbeitgeber übernahm und mit dem IG-Metall-Bezirksleiter Franz Steinkühler harte Tarifkämpfe ausfocht. Den Job als Verhandlungsführer sieht Dürr noch heute als Grundlage für seine spätere Karriere.

Dürr residiert heute in einem Büro im obersten Stockwerk eines Gebäudes am Berliner Gendarmenmarkt, von wo aus, wie er selbst sagt, Restaurants und Kneipen zu Fuß erreichen und in aller Ruhe zu Mittag essen kann, statt im Büro beim Aktenstudium ein Brötchen zu kauen, wie er das all die Jahre zuvor getan habe. Dürr ist aber auch heute noch als Berater bei vielen Organisationen gefragt.

Mit seiner Frau Heide ist der Vater von drei Töchtern für die Heinz und Heide Dürr Stiftung zuständig, die er mit einem Anfangskapital von 14 Millionen Euro ausstattete. Ziel der Stiftung ist die Forschung in der Humangenetik, frühkindliche Erziehung und die Unterstützung des deutschsprachigen Theaters. Es mache Spaß, sich mit Dingen zu beschäftigen, bei denen der betriebswirtschaftliche Erfolg nicht im Vordergrund stehe, sagt Dürr.

Deutliche Worte findet Dürr zur Finanzkrise. Sie fresse sich in die reale Wirtschaft und ruiniere Menschen, die keine Ahnung hätten, warum es gerade sie treffe.

Werner Scheib, dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.