Freitag, 28. Februar 2020

Jürgen Schrempp Rambo im Ruhestand

Um die einstige Reizfigur der deutschen Autoindustrie ist es ruhig geworden. Jürgen Schrempp hat sich nach seinem Aus als DaimlerChrysler-Chef weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Auch in der Daimler-Zentrale heißt es kurz vor dem morgigen 65. Geburtstag des Managers: "Wir haben keinen Kontakt mehr."

Stuttgart - Einige unspektakuläre Auftritte als Zeuge bei Prozessen um seinen überraschenden Rücktritt und die damit zusammenhängenden Kurssprünge, dazu Meldungen in der Promipresse, dass Jürgen Schrempp mit seiner Frau Lydia in Kitzbühel ein Restaurant eröffnet hat - das war alles, was es jüngst über den der Ex-DaimlerChrysler-Chef zu berichten gab. Auch in der Stuttgarter Daimler-Zentrale heißt es kurz vor dem 65. Geburtstag des Managers am 15. September: "Wir haben keinen Kontakt mehr."

Wird 65: Ex-DamlerChrysler-Chef Schrempp
Zuletzt musste der Name Schrempp noch dafür herhalten, um in Medienberichten als negatives Beispiel für die Managementleistung des aktuellen Daimler-Lenkers Dieter Zetsche zu dienen. "Zetsche verhält sich mittlerweile wie Schrempp in seiner letzten Phase", zitierte jüngst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) einen Weggefährten. Er sei beratungsresistent und reagiere cholerisch.

Dabei galt der in Freiburg geborene Schrempp lange Jahre als mächtigster Automanager Deutschlands. Aber während der gelernte Kfz-Mechaniker und studierte Maschinenbauer für die einen ein Visionär war, der den Stuttgarter Konzern global aufstellte und nach vorne brachte, wurde Schrempp in seiner zehnjährigen Amtszeit vor allem von Aktionären als Reizfigur und Rambo angesehen. Dazu passt auch das Selbstbild des Managers, das er einst über sein Wesen äußerte: "Nie grau - immer schwarz oder weiß."

Untrennbar verbunden mit dem Namen Schrempp sind seine Pläne zu einer Welt AG, zu der der Manager den Stuttgarter Autobauer schmieden wollte. Eine weiterer Ausspruch, der immer an Schrempp haften wird, ist die "Ehe im Himmel", die er mit dem US-Autobauer Chrysler feiern wollte.

Weder wurden die Stuttgarter eine Welt-AG, noch gab es ein Happy-End mit Chrysler. Neun Jahre nach der Hochzeit im Jahr 1998 kam das Aus der transatlantischen Fusion. Die verbleibenden knapp 20 Prozent, die die Stuttgarter über Monate an dem ungeliebten und hoch verschuldeten US-Autobauer hielten, sorgten noch für mehrere Quartale für unangenehme Bremsspuren in der Bilanz des Autobauers und werden auch den Jahresabschluss 2009 belasten.

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