Kampf um Opel "Big Ed" lässt Merkel zappeln

Edward Whitacre ist einer der wichtigsten Entscheider im Kampf um Opel. Seitdem der ehemalige AT&T-Chef an der Spitze des GM-Verwaltungsrats sitzt, schwindet in Berlin die Hoffnung, GM könnte Opel an Magna verkaufen. Denn der 67-Jährige, wegen seiner Körpergröße auch "Big Ed" genannt, hat andere Pläne.

Washington - Es ist nicht unbedingt ratsam, sich Edward Whitacre in den Weg zu stellen. Dies ist jedenfalls die Erfahrung von Klapperschlangen, die dem neuen Verwaltungsratschef von General Motors  zu nahe kommen. Auf seiner Farm in Texas entledigt sich Whitacre der Giftreptilien, indem er ihren Leib mit einem Stock fixiert und den Kopf mit einem Stein zerschmettert, wie das US-Magazin "Businessweek" berichtete. Die Botschaft, dass Whitacre seine Ziele mit einer gewissen Gnadenlosigkeit verfolgt, hat inzwischen auch die GM-Tochter Opel und die Regierung in Berlin erreicht.

Seitdem Whitacre an der Spitze des GM-Verwaltungsrats sitzt, beißt die Bundesregierung im Kampf um Opel auf Granit. Unter Führung von Whitacre, der wegen seiner Körpergröße von 1,90 Metern den Spitznamen "Big Ed" trägt, schwindet in Berlin die Hoffnung, GM könnte Opel an den von der Bundesregierung favorisierten austro-kanadischen Zulieferer Magna  verkaufen. Immer mehr deutet stattdessen darauf hin, dass GM nun Opel weiter behalten und als globaler Mitspieler auf dem weltweiten Automarkt im Geschäft bleiben will.

Erst vor wenigen Wochen wurde der 67-jährige Whitacre an die Spitze des Verwaltungsrats von "New GM" berufen. Von Autos versteht er nach eigener Einschätzung wenig, seine Karriere hat der Texaner in der Telekombranche gemacht. 17 Jahre lang stand er an der Spitze des Telefonkonzerns AT&T, mit einem aggressiven Expansions- und Sanierungskurs machte er das Unternehmen zum Marktführer in den USA. Vor zwei Jahren verabschiedete AT&T Whitacre mit einem Pensionspaket von 158 Millionen Dollar in den Ruhestand, aus dem ihn GM im Juni zurückholte.

Bei dem Detroiter Autokonzern erwartet Whitacre eine Aufgabe, die er bei AT&T in seinen Jahren als Chef erfolgreich bewältigt hatte: die umfassende Modernisierung eines Unternehmens. Früher als andere hatte Whitacre das Potenzial von Mobiltelefon- und Internetverbindungen erkannt und aus AT&T, dessen Geschäft vor allem auf der veralteten Festnetztechnologie beruhte, ein modernes Kommunikationsimperium geschmiedet. In der stark regulierten Telekombranche arbeitete Whitacre eng mit Regierungsstellen zusammen. Diese Erfahrungen könnten beim Autokonzern GM nützlich sein, der inzwischen mehrheitlich dem Staat gehört und dringend neue Produkte braucht.

Dem Verwaltungsrat von GM war in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeworfen worden, zu zahm und zu nachsichtig mit leistungsschwachen Managern gewesen zu sein. Whitacre dürfte in dieser Hinsicht für eine neue Kultur in Detroit stehen: Der Hobby-Farmer aus Texas gilt als konfliktfreudig und als Freund offener Worte. Das "Wall Street Journal" verglich seinen Führungsstil einmal mit einem "Bulldozer".

Whitacre wird wohl der einzige GM-Verwaltungsratschef sein, der in seiner Kindheit Kaninchen schoss und heute in seiner Freizeit gerne mit dem Bagger über sein Farmland in Texas rumpelt. Gerade diese Härte dürfte die US-Regierung als neue GM-Mehrheitseignerin bewogen haben, Whitacre nach Detroit zu berufen. Whitacre sei ein Mann für "harte Entscheidungen", beschrieb ihn Präsidentensprecher Robert Gibbs. "Was wir benötigt haben, ist ein gewiefter Manager, der ein Unternehmen in den Griff nehmen und seine Kultur verändern kann."

Peter Wütherich, afp

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