Schmiergeldaffäre Siemens erhöht Druck auf von Pierer

Nachdem sich drei Ex-Vorstände mit Siemens auf Zahlungen in Millionenhöhe geeinigt haben, strebt der Konzern nun mit weiteren ehemaligen Managern bis Herbst eine außergerichtliche Einigung an. Konkrete Gespräche gibt es mit Ex-Chef Heinrich von Pierer. Sollte keine Einigung zustande kommen, ist Siemens weiter bereit zur Klage.

München - Mögliche Vergleiche müssten spätestens bis Ende November zustande kommen, um auf der nächsten Hauptversammlung von Siemens  im Januar durchgewunken werden zu können, hieß es am Montag in Unternehmenskreisen. Die Tagesordnung für das Aktionärstreffen werde bei einer regulären Sitzung am 2. Dezember festgezurrt. Sollte keine Einigung zustande kommen, sei Siemens weiter bereit zur Klage.

Vergangene Woche hatte sich Siemens mit den drei ehemaligen Vorständen Klaus Wucherer, Rudi Lamprecht und Edward Krubasik auf die Zahlung von insgesamt 1,5 Millionen Euro geeinigt. Die Staatsanwaltschaft hatte zugleich die Verfahren wegen des Verdachts auf Verletzung der Aufsichtspflicht gegen die drei Ex-Manager eingestellt. Mit den außergerichtlichen Einigungen will Siemens langjährige Streitigkeiten über die Ansprüche vermeiden und zu einvernehmlichen Regelungen kommen.

In dem Schmiergeldskandal geht es um dubiose Zahlungen von rund 1,3 Milliarden Euro, die zur Erlangung von Aufträgen im Ausland eingesetzt worden sein sollen. Der Konzern hatte von insgesamt elf früheren Top-Managern Schadenersatz verlangt, darunter auch die früheren Vorstandschefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld. Den Managern warf das Unternehmen eine Verletzung der Organisations- und Aufsichtspflichten im Zusammenhang mit Bestechungszahlungen und schwarzen Kassen in den Jahren 2003 bis 2006 vor. Die Verhandlungen über die Forderungen ziehen sich bereits seit mehr als einem Jahr hin.

Pierer hatte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montag) Gespräche mit seinem ehemaligen Arbeitgeber über einen Vergleich bestätigt. Dem Vernehmen nach verlangt Siemens von Pierer sechs Millionen Euro Schadenersatz. Selbst wenn sich beide Seiten einigen sollten, ist damit aber noch nicht sicher, ob auch die Staatsanwaltschaft ihr Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen Pierer einstellt.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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