Mittwoch, 23. Oktober 2019

Traumgehälter Große Verdienste

6. Teil: Stärken ausbauen, nicht Schwächen ausbügeln

Genau die richtige Strategie, meint Coach Echter: "Die eigenen Schwächen ausbügeln zu wollen ist wenig effektiv. Erfolg hat, wer seine Stärken ausbaut und sich Aufgaben sucht, die für ihn ein Heimspiel sind."


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Ihre Stärke, sagt Mei-Pochtler, sei das Anderssein, das Querdenken. Im Nadelstreifenkostüm, grüne Augen, rosa Lippen, das blonde Haar hochgesteckt, Perlenohrringe und überlange Halskette, wirkt die Italienerin, die während des Studiums gemodelt hat, tatsächlich wie der Paradiesvogel unter den grauen Beratersperlingen. "Ich begnüge mich nie mit der ersten Antwort, bürste gern gegen den Strich." Manche treibt sie in den Wahnsinn mit ihrer Ungeduld und dem zuweilen robusten Desinteresse an bereits Beschlossenem ("Die Vergangenheit ist eine Zwangsjacke"). Die Kunden allerdings mögen das Impulsive; es heißt, Tchibo und LVMH hätten ihr Vorstandsposten angeboten. Sie lehnte ab - zu geringe Freiheitsgrade. Es wäre Marschmusik gewesen statt Free Jazz bei BCG.

Manchmal nervt es sie, dass geschrieben wird, sie bleibe auf Partys gern bis zum Schluss - "obwohl es stimmt". Oder dass sie häufig auf Events fotografiert wird wie vor ein paar Jahren mit Clinton in Baden-Baden, "und jetzt hängt mir dieses Foto ewig an". Man könnte sagen, sie sei das Glamourgirl der Firma; sie selbst spricht lieber von "gesellschaftlicher Visibilität" - die für eine Luxus- und Konsumgüterexpertin ganz nützlich ist.

Schließlich ist ein Schlüssel zum Erfolg, vielleicht der wichtigste: auffallen in der Masse der vielen, die auch intelligent sind, talentiert und ehrgeizig. Klappern gehört zum Handwerk. Es geht darum, "den Unterschied zu machen", sagt Colin Roy (47), Deutschland-Chef der Investmentbank Greenhill: "Ich habe mir beruflich immer Bereiche gesucht, die unterentwickelt waren und wo ich mich beweisen konnte."

Das ist leicht dahingesagt. Doch im Rückblick grandiose Erfolgsgeschichten sind vorher naturgemäß meist Himmelfahrtskommandos mit bestenfalls ungewissem Ausgang. Aufgaben, die Herzblut fordern und den Blutdruck hochschnellen lassen. Wie die WM für Klinsmann, wie der Puma-Turnaround für Jochen Zeitz. Wer nicht brennt, verliert. Ist es aber geschafft, klingelt's auch in der Kasse. Es waltet eine beinahe moralische Aura: Leistung lohnt sich.

"Wer permanent mit den Hufen scharrt, verkrampft nur und wird nichts erreichen."

Günther Heckelmann

Dazu braucht es Disziplin und Stehvermögen - kaum erstaunlich, dass viele Erfolgsmenschen so wie Radrennfahrer Roy nebenbei noch Leistungssport treiben. Der Sport lehrt sie beides, langen Atem und die schnelle Reaktion auf eine gute Gelegenheit: Erfolg ist wie ein fliehendes Pferd - man kann aufspringen, aber es nicht an die Kandare nehmen.

"Wer permanent mit den Hufen scharrt, verkrampft nur und wird nichts erreichen", sagt Günther Heckelmann (55). Der Seniorpartner der internationalen Kanzlei Baker & McKenzie ist kaum verkrampfungsgefährdet, zu ruhiger Rede legt er die Fingerspitzen aneinander, leises Lachen entblößt eine sympathische Zahnlücke. Doch als es nach Jurastudium, begonnener und schnell wieder beendeter Politikerkarriere ("Ich wollte mein Leben nicht damit verbringen, Halbsätze in Parteitagsanträgen zu ändern") und drei Jahren bei Baker darum ging, wer die Arbeitsrechtspraxis aufbaut, war Heckelmann zur Stelle - "obwohl Arbeitsrecht weder sexy noch übermäßig gewinnträchtig war".

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