Montag, 14. Oktober 2019

Traumgehälter Große Verdienste

5. Teil: Am statt im Unternehmen arbeiten

Geld, diese Erfahrung hat Coach Echter gemacht, spielt im Konsumalltag der Topverdiener eine verblüffend geringe Rolle - was viele Manager nicht hindert, in Millionenverträgen um einige tausend Euro zu feilschen. "Dabei geht es aber nicht um die Summe selbst, sondern um Geld als Projektionsfläche, als Statussignal des eigenen Erfolgs", sagt Echter.

Günther Heckelmann (55), Seniorpartner bei Baker & McKenzie: Baute in den 80ern die Arbeitsrechtspraxis auf, die weder als sexy noch als sehr profitabel galt. Heckelmann ergriff seine Chance - heute ist der Bereich einer der wichtigsten Gewinnbringer der Kanzlei.
Zeit zum Ausgeben bleibt meist eh kaum. Woebcken kennt Produzenten, die ihre Familie seit einem Jahr nicht gesehen haben; er selbst spinnt bis spätnachts über Rotwein und Pappkarton-Pizza an neuen Ideen. Für die Familie bleibt nur das Wochenende; trotzdem ist er zufrieden: "Arbeiten am Unternehmen macht deutlich mehr Spaß als im Unternehmen."

Überhaupt, replizieren die Topjobber gern auf die Frage nach dem Preis ihres Erfolgs, komme es nicht auf die Freizeitmenge an, sondern auf die Qualität: alles eine Frage der Organisation. Was das bedeutet, zeigt ein Blick in eine beliebige Woche im Kalender von Antonella Mei-Pochtler (50), Senior-Partnerin bei der Boston Consulting Group (BCG). Montag Abflug nach Tokio zum Executive Committee Meeting, Freitag zurück nach Wien, Samstag Projektarbeit in Florenz, Sonntag nach Wien, Montag früh nach Köln, Dienstag Frankfurt, und das sind die normalen Tage. "Der Business-Alltag wird kunstvoll um wichtige Familientermine wie Geburtstage herum geplant. "Mei-Pochtler hat immer Vollzeit gearbeitet; als ihre drei Töchter klein waren, halfen ihre Mutter und ein Kindermädchen aus, sie selbst ist telefonisch immer erreichbar und diskutiert dann in Meetings schon mal über die Handyrechnungen des Nachwuchses.

Deutschlands bekannteste Beraterin trinkt Coke Light, checkt den Blackberry, nimmt eine Weintraube, kritzelt auf einen Block und redet - alles gleichzeitig. Wäre sie ein Fortbewegungsmittel, dann ein Düsenjet, besser noch: zwei Düsenjets. "Ich liebe die Intensität, schlafe notfalls nur vier Stunden." Von Mitarbeitern erwartet sie eine ähnliche Schlagzahl; da muss die Präsentation auch mal nachts um vier in die Senator-Lounge nach Peking geschickt werden.

Dass man aus seinen Begabungen durch Fleiß und Hochleistung etwas machen muss, war Credo in Mei-Pochtlers Familie. Als Teenager wurde die Handballerin zur Juniorsportlerin des Jahres in Italien gewählt, sie übersprang zwei Klassen, gab nebenbei Nachhilfe. BWL-Studium, Promotion in Rom, MBA am Insead - da war sie 25. Mit 31 Partnerin bei BCG, die jüngste ever.

"Ich wollte ein Umfeld, in dem nur Leistung zählt. In einem Konzern hätte man mich - Frau, sehr jung - wohl nicht sofort ernst genommen." Dass das Gehalt ihre Performance direkt spiegelt, war ihr wichtig - auch wenn sie sich bei Bonuszahlungen schon mal falsch eingeschätzt fühlte. "Erst hab ich protestiert, mich dann aber gefragt: Was kann ich besser machen?" Heute ist sie als BCG-Markenguru anerkannt, 2006 holte sie Weltchef Hans-Paul Bürkner ins weltweite Leitungsgremium der Firma.

Und das, obwohl "mir das Kreative mehr Spaß macht als das Analytische". Durch Number-Crunching und Excel-Charts zu Beginn ihrer Beraterkarriere musste sie sich durchbeißen - irgendwann hatte sie Mitarbeiter, die die kleinteilige Zahlenarbeit für sie erledigten.

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