Freitag, 18. Oktober 2019

Traumgehälter Große Verdienste

4. Teil: Unterschiedliche Dimensionen von Bescheidenheit

Wie Lang, der trotz seiner sicheren Volksbank-Position beim AWD wieder ganz unten einstieg und zunächst deutlich weniger verdiente als vorher. Oder wie Carl "Charly" Woebcken (52), Chef und Mitinhaber der Babelsberger Filmstudios, der in seiner Zickzack-Karriere selten länger als vier Jahre im gleichen Job blieb. Der studierte Maschinenbauer arbeitete erst als Ingenieur, ging dann zu BCG, erlitt nach der Wende Schiffbruch mit dem Kauf der VEB Strömungsmaschinen, ging zu Roland Berger ("Ich brauchte Geld"), zu Apollo Capital Partners und brachte im New-Economy-Hype TV Loonland an die Börse.

Carl Woebcken (52), Vorstandsvorsitzender Studio Babelsberg AG: Rund eine Million Euro hätte er 2007 an Dividende einstreichen können, doch "Charly" Woebcken reinvestierte den größten Teil.
Studio Babelsberg
Carl Woebcken (52), Vorstandsvorsitzender Studio Babelsberg AG: Rund eine Million Euro hätte er 2007 an Dividende einstreichen können, doch "Charly" Woebcken reinvestierte den größten Teil.
"Ich habe zwei Adern: die Fantasie und das Technokratische", sagt Woebcken. Ganz früher wollte er Posaunist werden, wovon er wieder Abstand nahm, nachdem er im Stabsmusikkorps der Bundeswehr Howard Carpendale hatte begleiten müssen. Bei Apollo hatte er bereits siebenstellig verdient, jetzt wollte er sein eigenes Ding: 2004 kaufte er mit Geschäftspartner Christoph Fisser für einen Euro die Filmstudios Babelsberg. Womit der Mann, der als Abschlussarbeit am musischen Gymnasium einen Zeichentrickfilm über ein Cowboy-Duell abgeliefert hatte, nicht nur seine Berufung fand und beide Talente vereinigen konnte, sondern auch ein bisschen Dusel hatte.

2007 wurde die Filmförderung so geändert, dass Deutschland jetzt auch als Drehort rentabel ist. Nun kann sich Woebcken in seinem abgeschabten roten Glitzersessel, einen Steinwurf entfernt vom Requisitenfundus mit dem realsozialistischen Look & Feel der alten NVA-Uniformen, entspannt eine Marlboro anzünden und über Erfolge sprechen: "Valkyrie" mit Tom Cruise wurde hier gedreht, dazu andere Großprojekte wie "Speed Racer" oder "The International". Das Studio boomt. Schuldenfrei, zwölf Millionen Euro flüssig.

Woebcken, den Freunde als "hochintelligent, aber faul" beschreiben, der blauäugig ist und Schlaks und Schnellredner, bringt die richtige Mischung aus Kreativität und Kaufmannskönnen mit. Seine größte Stärke? "Ich bin ein Stehaufmännchen." Der Strömungsmaschinen-Flop, der Crash der New Economy - alles lästig, klar, aber keine echten Hindernisse auf dem Weg zum großen Ziel: "Ich wollte immer Gestaltungsfreiheit, das ist viel wichtiger als Geld."

"Ich wollte immer Gestaltungsfreiheit, das ist viel wichtiger als Geld."

Carl Woebcken

2007 hätte er eine Million an Dividende einstreichen können - aber er steckte den größten Teil wieder in die Firma. In Berlin wohnt Woebcken mit Kompagnon Fisser in einer Art Nobel-WG, die Villa in Grünwald bei München, wo er mit Frau und zwei Kindern lebt, ist gemietet; als Dienstwagen stehen ein Range Rover und ein weißer Porsche Targa 4S vor der Tür, privat hat er ein Motorrad und einen alten Bentley, an dem er gern herumschraubt, dazu ein Motorboot nahe Saint-Tropez, das mal 60.000 Euro gekostet hat, mittlerweile aber nur noch 100 Euro Liegegebühren im Monat kostet, seine Rolex GMT hat er mal gebraucht gekauft. "Ich brauche nicht mehr als 15.000 Euro im Monat."

Bescheidenheit in Alltagsdingen kennt also durchaus unterschiedliche Dimensionen. Und doch gilt: "Um wirklich erfolgreich zu sein, braucht man innere Freiheit und ein Anliegen, das nichts mit Geld zu tun hat", wie Personalberater Rottok sagt. Es klingt paradox, aber die sicherste Methode, keine Million zu verdienen, scheint zu sein, es unbedingt zu wollen. "Viel wichtiger ist es, sich inhaltliche Ziele zu setzen."

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