Auswanderung Ich bin dann mal weg

Immer mehr Deutsche kehren der Bundesrepublik den Rücken. Die meisten zog es im vergangenen Jahr in die Schweiz, dort werden vor allem gut ausgebildete Akademiker gesucht - und gut bezahlt. An Platz zwei folgt die USA, Polen hat Österreich von Platz drei verdrängt.

Wiesbaden - Der Trend zur Auswanderung aus Deutschland ist ungebrochen. Im vergangenen Jahr haben mehr Deutsche ihr Heimatland verlassen als wieder zurückgekehrt sind, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag aufgrund vorläufiger Zahlen mitteilte.

Zugleich wurde aber auch der kontinuierliche Rückgang der Zuwanderung von Ausländern und Deutschen nach Deutschland gestoppt: Diese Zahlen blieben 2008 nach einem längeren Sinkflug relativ konstant.

Seit Jahren bereits kehren immer mehr Deutsche ihrer Heimat den Rücken und gehen vor allem ins benachbarte Ausland. Den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge gab es 2008 bei den deutschen Auswanderern mit einem Anstieg um rund 14.000 auf 175.000 die höchste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen 1954. Im gleichen Zeitraum kamen rund 108.000 Deutsche aus dem Ausland nach Deutschland, gegenüber dem Vorjahr war dies ebenfalls ein leichter Anstieg um etwa 2.000. Darin sind auch 4.000 Spätaussiedler enthalten.

Der tatsächliche Umfang der Fortzüge und die Entwicklung gegenüber dem Vorjahr sind laut Bundesamt allerdings unklar: Wegen der Einführung der persönlichen Steuer-Identifikationsnummer seien die Melderegister 2008 umfangreich bereinigt worden, was zu zahlreichen Abmeldungen von Amts wegen geführt habe. Der Umfang dieser Bereinigungen sei statistisch aber nicht zu ermitteln.

Trotz der Bereinigungen zeigt die Bilanz der Zu- und Fortzüge für 2008 aber einen negativen Saldo von 56.000 Personen. Bei den ausländischen Ein- und Auswanderungen ist der Saldo mit 11.000 leicht positiv - es kamen also mehr als weggingen -, bei den Deutschen liegt er dagegen mit 66.000 im Minus. "Somit ist trotz der Unklarheit über die tatsächliche Zahl der Fortzüge davon auszugehen, dass die Abwanderung von Deutschen anhält", erklärt das Bundesamt.

Wenn die bereinigten und vorläufigen Zahlen die Wirklichkeit widerspiegeln, dann haben 2008 erstmals seit der Wiedervereinigung mehr Menschen Deutschland den Rücken gekehrt als zugewandert sind.

Die Schweiz lockt

Insgesamt zogen 2008 etwa 682.000 Menschen zu und 738.000 weg. Die Zahl der Ausländer, die Deutschland verließen, stieg 2008 von 476.000 auf 563.000. Zugleich wanderten etwa 574.000 Ausländer zu. Gegenüber 2007, als 575.000 Ausländer kamen, blieben diese Zuzüge somit konstant. Von 2001 bis 2006 waren die Zuwanderungszahlen kontinuierlich zurückgegangen.

An der Spitze der Zielländer für deutsche Auswanderer liegt weiterhin die Schweiz, in die es 2008 rund 19.000 Deutsche zog - etwa 6.000 mehr als im Vorjahr und rund 11.000 mehr als 2006. Zahlreiche Deutsche arbeiten dort als Ärzte oder Banker. Auf Platz zwei landen die USA mit rund 15.500 deutschen Auswanderern, auf Platz drei kommt nicht mehr wie früher Österreich (jetzt mit 13.336 Auswanderern), sondern Polen mit 13.711.

Umgekehrt kamen die deutschen Zuwanderer, die 2008 nach Deutschland gingen, mehrheitlich aus Polen (12.100), den USA (10.500), der Schweiz (8.200) und Spanien (7.900). Die ausländischen Zuwanderer kamen vorwiegend ebenfalls aus Polen (119.200), aber auch aus Rumänien (47.000) und der Türkei (26.200).

Gegenüber 2007 gingen die Zuzüge aus Polen um 21.000 zurück, mehr gab es dagegen aus Rumänien (plus 4.100) und Bulgarien (plus 3.100), aber auch aus dem Irak (plus 3.500).

manager-magazin.de mit Material von ap