Porsche-Chef Wiedeking "Es war ein Fehler, den KfW-Kredit zu beantragen"

Der Chef des Sportwagenbauers Porsche, Wendelin Wiedeking, hat in einem Interview den Kreditantrag bei der staatlichen Förderbank KfW bedauert. Zudem zeigte er sich hinsichtlich einer Übernahme durch VW kampfbereit - und fand lobende Worte für seinen Kontrahenten Ferdinand Piëch.

Berlin - "Im Nachhinein muss ich feststellen, dass es ein Fehler war, den KfW-Kredit zu beantragen", sagte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking dem Magazin "Cicero". "Wir hätten es in unser Kalkül einbeziehen müssen, dass unser Antrag direkt in den Wahlkampf läuft."

Der Sportwagenbauer Porsche  hatte Anfang Juni bei der KfW einen Kredit über 1,75 Milliarden Euro beantragt, um seine Finanzierungslücke zu schließen. Das Unternehmen hatte zuvor Kreditzusagen über 10,75 Milliarden Euro erhalten, strebte aber insgesamt einen Kreditrahmen von 12,5 Milliarden an. Porsche hat sich durch die Mehrheitsübernahme von Volkswagen  mit rund zehn Milliarden Euro verschuldet. Derzeit verhandeln die beiden Unternehmen über einen Zusammenschluss. Wiedeking sagte dem Magazin, er werde "nicht zulassen, dass Porsche am Ende über den Tisch gezogen wird".

Wiedeking sagte dem Magazin weiter: "Wir haben uns - in völliger Übereinstimmung mit den Familiengesellschaftern - das gemeinsame Ziel gesetzt, einen integrierten Automobilkonzern aus Porsche und VW zu schmieden. Und ich halte es für legitim, dass alle beteiligten Parteien für sich das Optimum herausholen wollen."

Gleichzeitig lobte Wiedeking seine Kontrahenten. Er schätze VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch als erfolgreichen Ingenieur und Manager mit strategischem Weitblick, der "ohne jeden Zweifel Großartiges geleistet" habe. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) mache seinen Job als VW-Aufsichtsrat ausgezeichnet - "auch wenn ich als Porsche-Chef und glühender Verfechter von Chancengleichheit gerade in der Wirtschaftswelt in einigen Punkten anderer Auffassung bin".

Mit Blick auf die Finanzmarktkrise sagte Wiedeking, ihm werde "sehr schmerzhaft bewusst", dass solide Unternehmen wie Porsche jetzt unter verschärften Bedingungen ihre Strategien überarbeiten müssten. "Aber die Wirtschaftswelt ist nun mal kein Ponyhof."

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa-afx