Bonus für HSH-Chef "Skandal ersten Ranges"

Die millionenschwere Sondervergütung für HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher sorgt weiter für Empörung. Der Präsident des Bundesrechnungshofs, Dieter Engels, kündigte eine Überprüfung an. Derweil wird spekuliert, ob Nonnenmacher möglicherweise noch mehr Geld erhält als bislang bekannt.

Frankfurt am Main - Der Präsident des Rechnungshofes, Dieter Engels, sagte dem "Handelsblatt" (Montagausgabe): "Der Rechnungshof überwacht sowohl die Staatshilfen für die Banken als auch die Gelder, die finanziell angeschlagene Unternehmen erhalten." Er nannte die Zahlungen an Nonnenmacher "moralisch nicht vertretbar. Selbst wenn die Sonderzahlung des HSH-Chefs juristisch gerechtfertigt ist, ist sie ein Beleg dafür, dass einige Banker offenbar nichts aus der Finanzkrise gelernt haben. Dafür habe ich kein Verständnis", sagte Engels.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück schrieb unterdessen in der "Süddeutschen Zeitung", es sei "unglaublich, dass etwa der Chef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher, Bonus- und Altersvorsorgezahlungen von 2,9 Millionen Euro erhalten soll, obwohl es sein Institut ohne staatliche Hilfen in Milliardenhöhe gar nicht mehr gäbe".

Der FDP-Politiker Otto Fricke forderte die Landesregierungen von Schleswig-Holstein und Hamburg auf, die Zahlungen noch zu verhindern. Dazu sollten alle "vernünftigen rechtlichen Schritte" ausgenutzt werden, forderte der Vorsitzende des Bundestags-Haushaltsausschusses in der "Rheinpfalz am Sonntag". Staatshilfe und Sonderzahlungen von fast drei Millionen Euro passten nicht zusammen.

Rentenzahlung in Millionenhöhe?

Der frühere schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) bezeichnete es als "Skandal ersten Ranges", dass "Nonnenmacher, der in den entscheidenden Jahren die Weichen für die katastrophale Entwicklung bei der HSH Nordbank mit gestellt hat, jetzt, wo die Bank Hilfen der Steuerzahler in Anspruch nimmt, auf seine Bonizahlungen besteht". Marnette sagte der Zeitung: "Dass führende Politiker im Präsidialausschuss der Bank dies genehmigen, übersteigt meine Vorstellungskräfte."

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die HSH Nordbank trotz Milliardenhilfen des Staates einen Bonus an Nonnenmacher zahlt. Hintergrund sind vertragliche Verpflichtungen gegenüber dem Vorstandschef aus dem Herbst 2008. Eigentlich dürfen Manager von Banken, die auf Staatsgarantien zurückgreifen, nicht mehr als 500.000 Euro im Jahr verdienen.

Der NDR meldete am Sonntag, dass Nonnenmacher möglicherweise noch mehr Geld erhält als bislang bekannt. Eine durch die Bank geleistete Altersversorgung könne je nach Verzinsung zu Rentenzahlungen von 3,8 Millionen Euro oder mehr führen.

Die HSH Nordbank ist die Landesbank der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein. In Kiel hatte die Millionenzahlung eine Regierungskrise ausgelöst, die letztendlich zum Bruch der Großen Koalition führte.

manager-magazin.de mit Material von ap