Quelle-Erbin Schickedanz räumt Mitschuld an Arcandor-Krise ein

Die Großaktionärin des insolventen Arcandor-Konzerns, Madeleine Schickedanz, hat Fehler bei der Ausrichtung des Konzerns eingeräumt. Sie habe viel zu spät gemerkt, dass sie "die Kontrolle verloren hatte". Den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff nimmt Schickedanz dagegen in Schutz.

Berlin - Sie wisse, dass sie eine Mitverantwortung für das Schicksal der Arcandor-Mitarbeiter habe, sagte Madeleine Schickedanz der "Bild am Sonntag". Sie könne ihnen aber nicht helfen. "Ich habe viel zu spät gemerkt, dass ich die Kontrolle verloren hatte", sagte die Quelle-Erbin dem Blatt. "Und ich hätte schon viel früher Themen wie Internet im Versandhandel und die Zukunft und Veränderung der Kaufhäuser angehen müssen."

Für die Fehler im operativen Geschäft sei sie allerdings nicht verantwortlich, sagte die 65-Jährige und fügte hinzu: "Dafür gab und gibt es ein Management." Zugleich verteidigte Schickedanz den früheren Arcandor-Chef Thomas Middelhoff. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Middelhoff etwas Unlauteres getan hat", sagte sie. Middelhoff habe vielleicht in der Immobilienkrise seinem Finanzvorstand zu viel Freiheit gelassen.

"Aber ich distanziere mich von den unfairen Vorwürfen gegen Herrn Middelhoff, dem man im Nachhinein alles in die Schuhe schieben will", betonte sie. Ohne Middelhoff wäre der aus Karstadt und Quelle hevorgegangene Arcandor-Konzern schon früher am Ende gewesen.

Arcandor  hatte Anfang Juni Antrag auf Insolvenz für den Handels- und Touristikkonzern gestellt, nachdem das Drängen des Konzerns auf Staatshilfe erfolglos geblieben war. Erst im März hatte Gerhard Eick die Führung der Karstadt-Mutter von Thomas Middelhoff übernommen, gegen den mittlerweile wegen des Verdachts auf Untreue ermittelt wird.

Schickedanz bezeichnete sich als "Mittelständlerin, die wie viele Unternehmer privates Geld und Vermögen in die Firma investiert hat". Wegen der Schieflage der Quelle-Mutter Arcandor habe sie inzwischen viel Geld verloren, berichtete sie. In besten Zeiten habe ihr Karstadt/Quelle-Aktienpaket einen Wert von rund drei Milliarden Euro gehabt. "Heute sind es gerade noch 27 Millionen Euro", sagte sie. Hinzu kämen 170 Millionen Euro Verlust aus ihrem Privatvermögen für eine Kapitalerhöhung bei Arcandor im Jahr 2004 "und noch ein zusätzlicher dreistelliger Millionenbetrag, um das Unternehmen danach zu stabilisieren".

Zudem sei sie nicht abgesichert. "Wenn die Rettung von Arcandor scheitert und die Banken die Kredite fällig stellen, verliere ich alles - Häuser, Aktien, Beteiligungen an anderen Firmen", sagte sie. Schon jetzt müsse sie sich persönlich stark einschränken. "Ich spare, wo ich kann", sagte Schickedanz. "Wir leben von 500 bis 600 Euro im Monat. Wir kaufen auch beim Discounter. Gemüse, Obst und Kräuter haben wir im Garten." Nur noch selten würde sie mit ihrem Mann ausgehen, wenn, "dann zum Italiener um die Ecke" zu Pizza, Rotwein und alkoholfreiem Bier. "Das kostet dann keine 40 Euro."

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa

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