Generali Stapelfeld muss gehen

Auf der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung der deutschen Generali Holding gab es am Montagnachmittag nur einen Tagesordnungspunkt: Den Abgang von Jörn Stapelfeld, Chef der größten Tochtergesellschaft des Konzerns, und die Bestellung von Winfried Spiess zur neuen Nummer eins des aus der Fusion zwischen Volksfürsorge und Generali-Versicherungen hervorgegangenen Unternehmens.

Hamburg - Gegärt hat es schon länger zwischen Dietmar Meister, Chef der Deutschland-Holding des italienischen Versicherungskonzerns Generali und Jörn Stapelfeld, der Nummer eins der größten Tochtergesellschaft des deutschen Generali-Reichs. In der vergangenen Woche zog Meister dann die Notbremse. Stapelfeld muss zum 31. Juli das Unternehmen verlassen. Nachfolger wird Generali-Holdingvorstand und Arbeitsdirektor Winfried Spiess. Die Rochade soll in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung abgesegnet werden, die um 13.30 Uhr in der Münchener Konzernzentrale begonnen hat.

Der abrupte Wechsel an der Generali-Spitze ist der vorläufige Schlusspunkt einer steilen Karriere. Vor zwei Jahren hatte Meister Stapelfeld noch damit betraut den Zusammenschluss zwischen der Hamburger Volksfürsorge und den Münchener Generali-Gesellschaften zu organisieren - zur Nummer vier unter den deutschen Lebensversicherern und zur Nummer sechs bei Auto-, Hausrat-, und Haftpflichtpolicen. Dabei nahm der einstige Volksfürsorge-Chef Stapelfeld von Anfang an wenig Rücksicht auf die Befindlichkeiten seiner Fusionspartner. Abläufe und Organisation der Münchener Generali-Gesellschaften waren ihm zu barock, zu hierarchisch, zu langsam. Stapelfeld besetzte die Schlüsselstellen im Vorstand und auf den ersten beiden Führungsebenen mit Volksfürsorge-Leuten und versuchte im Übrigen möglichst viel von den Strukturen seines Stammkonzerns auf das fusionierte Unternehmen zu übertragen.

Die Folgen bekam er bald zu spüren. Das mittlere Management der Münchener Generali fühlte sich überfahren, schnell war von einer feindlichen Übernahme durch die Volksfürsorge-Leute die Rede. Mal offen, mal versteckt versuchten Stapelfelds Gegner während der vergangenen Monate im Vorstand und Aufsichtsrat des Mutterkonzerns gegen Stapelfelds Marschrichtung anzugehen. Der gab sich unbeeindruckt und fühlte sich sicher, zu sicher.

Wie sehr die Position des einstigen Volksfürsorge-Chefs durch die gezielten Attacken aus München bereits unterminiert war, zeigte sich als Ende Juni der Inhalt eines Briefes an die Öffentlichkeit gelangte, den Stapelfeld fünf Wochen zuvor an Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) geschrieben hatte. In dem vom 26. Mai datierten Schreiben hatte der Versicherungsmanager den Minister gebeten, dafür zu sorgen, dass die Commerzbank, an der der Staat mit 26 Prozent beteiligt ist, die Kündigung der Vertriebsvereinbarung mit der Generali zurücknimmt und weiterhin Policen der Generali verkauft.

Am Ende lieferte der Brief, der weder mit der Kölner Konzernmutter noch mit dem italienischen Großaktionär abgestimmt war, Stapelfelds internen Gegnern die finalen Argumente. Sergio Balbinot, der für die ausländischen Tochtergesellschaften zuständige Co-CEO der Generali distanzierte sich gegenüber der Führungsspitze der Commerzbank vom Vorstoß seines deutschen Managers. Konzernintern war damit klar, dass Stapelfeld nicht mehr zu halten war.

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